Kultur : Was ist links?

Umfrage zur Taufe einer Partei

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Hans Neuenfels

Links verspricht Hoffnung oder Schrecken. Rechts ist der Schrecken. Die Partei von Gysi und Lafontaine ist die Verzerrung von Links, aber ihre Lächerlichkeit entlarvt sie nicht, sondern macht hoffnungslos.

Hans Neuenfels, 64, ist Regisseur. Zuletzt inszenierte er an der Komischen Oper Berlin Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“.

Friedrich Christian Delius

So viel steht fest: Diese „Linkspartei“ ist nicht links, sondern neo-reaktionär.

Friedrich Christian Delius, 62, lebt in Berlin und Rom. Zuletzt erschien sein Roman „Mein Jahr als Mörder“ (Rowohlt).

Georg Klein

Ein ehrenwerter Begriff von Links-Sein wäre der folgende: Links darf sich der nennen, der noch nicht verlernt hat, über die unheimliche Großartigkeit des Geldes und über unser geldförmiges Wirtschaften zu staunen. Dem Linken gelten Geldwert, Geldvermehrung und Geldvernichtung weiterhin als höchst bedenkenswerte Mirakel. Wem dagegen die bloßen Verlaufsmuster des Geldverkehrs zur ersten, unanfechtbaren Vernunft oder zu etwas schlicht Hassenswertem geworden sind, der bleibt wie ein stumpf gewordener Kirchgänger oder wie ein verbohrter Atheist für jedes distanznehmende Wundern verloren. Links stehen die staunenden Ketzer.

Georg Klein, 52, lebt als Autor in Dollart. Zuletzt erschien der Roman „Die Sonne scheint uns“ (Rowohlt).

Andreas Maier

„Links“ ist offenbar ein Wort, das dazu da ist, dass man sich darüber unterhält, was es meint. Anders als „vögeln“ oder „Abseits“. Oder können Sie sich eine Handlung vorstellen, bei der Sie sich ernsthaft fragen würden, ob das nun Vögeln sei oder nicht?

Der Autor Andreas Maier, Jahrgang 1967, lebt als Autor in Potsdam und Bad Nauheim. In diesem Frühjahr erschien der Roman „Kirillow“ (Suhrkamp).

Reinhard Hauff

Links und rechts? Natürlich existieren die Kategorien noch. Andererseits wären „sozial“ und „unsozial“ wohl heute die richtigeren Begriffe. Nur: Gibt es eine sozial engagierte Politik überhaupt noch – in einer Zeit, in der alles der Machbarkeit unterworfen ist? So gesehen ist es ja gut, dass sich jetzt auch im Westen, wo alle immer auf der Winner-Seite stehen wollen, ein paar dazu bekennen, dass sie Verlierer sind – aber was sich da unter dem populistischen Etikett der Linkspartei formiert, wird mehrheitlich von alten SED- Strategen bestimmt. Die sprechen jetzt aus taktischen Gründen mit zwei Zungen, aber werden sich mit den Wessi-Linken bald tierisch auseinander dividieren. Ich war immer ein moralischer Linker. Bei diesen Alternativen aber halte ich es für richtiger, der SPD etwas mehr Links abzuzwingen.

Der Regisseur Reinhard Hauff, 66 („Stammheim“, „Messer im Kopf“), leitete von 1993 bis 2005 die Berliner Film- und Fernsehakademie.

Jens Sparschuh

Alte Regel: Wo der Daumen rechts ist. (Das sagt nichts, aber es erklärt vieles!)

Der Autor Jens Sparschuh, 50, lebt in Berlin. Soeben erschien der Prosaband „Ich glaube, sie haben uns nicht gesucht“ (Kiepenheuer & Witsch).

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