Kultur : Was ist nur mit dir in letzter Zeit

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Gerade waren sie auf dem Laufband. Er ist duschen gegangen. Sie kommt nach, stellt ihn. Was ist mit dir in letzter Zeit, sagt sie, du gehst mir aus dem Weg. Nein, sagt er, macht eine Kopfbewegung, zeigt einen Schmerz. Komm, ich massier’ dich, sagt sie. Und nimmt seinen Kopf in die Hände.

Irgendwann am Ende dieser Stillstandszene schenkt Beate (Loretta Pflaum) Johannes (Bastian Trost) ein bisschen Sex, Johannes, der sich in sie verliebt hat, aber ins Hintertreffen geraten ist gegenüber Farid, seinem algerischen Arbeitskollegen am Institut. Auch beruflich zieht er, wie’s aussieht, bald den Kürzeren gegenüber Farid. Ist so ein kleiner, leiser Verlierer, dieser Johannes, der eigentlich sauber bleiben will im Leben – aber was, wenn das Leben es nicht gut mit einem meint? Was, wenn Farid ein Terrorist sein könnte, wie der Verfassungsschutz vermutet? Was, wenn Johannes ab und an Bericht erstattet über ihn gegen ein bisschen Geld oder, schlimmer noch, im entscheidenden Augenblick schweigt?

Glücklich wird man nicht durch Verrat, Benjamin Heisenberg flüstert das fast so dahin in seinem beachtlichen Debüt Schläfer , sondern Verrat stürzt nur noch tiefer in Einsamkeit. Beten könnte helfen, vielleicht. Aber Gott ist leider nicht vom Verfassungsschutz, Gott hört manchmal grundsätzlich weg. Oder hat nur gerade verdammt viel anderes zu tun. jal

Broadway, Central, fsk und Kulturbrauerei. Siehe auch das Heisenberg-Porträt, erschienen am 9. Mai (Seite 3)

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