Was machen wir heute? : Abenteurer vergleichen

Robert Ide

Die Volksmusikkapelle, die aus arbeitslosen Minenarbeitern einer englischen Kleinstadt besteht. Sie haben nichts zu tun, also spielen sie, sie spielen und spielen, bis sich das ganze Land tanzend in den Armen liegt. Nur sie selbst können nicht lachen.

Der japanische Broker, der seine Familie in Island beerdigt, weil ein Brauch ihm das vorschreibt. Seine Reise endet in Schneewehen – bis eine Elfe erscheint und sein alter roter Citreön wieder anspringt.

Der französische Fußballer, der bei der Weltmeisterschaft auserwählt wurde, ein großer Star zu werden, dann aber doch nur im Training mitmachen darf und den Finaleinzug von der Ersatzbank aus verfolgt. Er verflucht seinen Trainer, der sein Ersatzvater war bis zu diesem schrecklichen Turnier, er verflucht sich selbst, während seine Kamera läuft.

Ich kenne sie alle. Einmal bin ich jedem von ihnen begegnet, dann sind sie verschwunden aus meinem Leben. Ihre Geschichten aber sind geblieben in meinem Kopf – und die Bilder von ihren Abenteuern, die auch irgendetwas mit mir zu tun haben. Oder etwa nicht?

Ich habe mir vorgenommen, in diesem Jahr andere Leute zu treffen, kurz einzutauchen in ihr Leben und mich dann wieder zu verabschieden mit ihren Abenteuern im Kopf. Eine Liste habe ich mir schon erstellt mit den Menschen, denen ich in diesem Februar begegnen möchte. Das sind: Der Mann, der immer in diesem kanadischen Eishockeystadion gearbeitet hat, bis es gesprengt wurde. Der Vater und der Sohn, die sich erst nach dem Tod der Mutter kennen lernen. Die Frau, die kurz vor dem Mauerfall Miss Leipzig werden wollte und sich heute noch vom Knabbergebäck von früher schwärmt.

Ich werde sie alle treffen, in einer Woche schon im Kino. Ob ihre Geschichten etwas mit mir und meinen Leben zu tun haben? Robert Ide

Programme der Berlinale gibt es ab heute im Büro der Filmfestspiele, Potsdamer Straße 5, und morgen im Tagesspiegel.

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