Was machen wir heute? : Abtauchen

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Guido Westerwelle ist ja gerade in Ägypten und erholt sich von den Haiattacken aus seiner eigenen Partei. Ich war kurz vor ihm da. Und obwohl es im Roten Meer ebenfalls gefährliche Tiere geben soll, kann ich sagen: Erholen kann man sich dort hervorragend. Beim Schnorcheln sieht man sogar gelbe Fische, die schön sind.

Ursprünglich wollte ich in diesem Jahr nach Vietnam, musste die monatelang geplante Reise aber ein paar Tage vor dem Abflug stornieren (der Grund tut nichts zur Sache). Jedenfalls fand ich mich zwei Tage vor dem Urlaubsstart auf dem Flughafen Tegel wieder, mit dem festen Ziel, eine weniger aufwändige Reise in die Sonne zu buchen. Ich klapperte alle Reiseschalter ab, aber nirgends gab es noch kurzfristige Flüge, nicht nach Fuerteventura, nicht mal nach Frankfurt am Main. Und der Schneefall hatte noch gar nicht eingesetzt.

„Wir haben hier was in Ägypten, das hat gerade jemand zurückgegeben“, schlug mir endlich eine freundliche Frau vor. Ich schaute mir das Pauschalreisepaket an, tat eine Weile so, als hätte ich noch eine andere Wahl, bat um Bedenkzeit, googelte die Bewertungen des angebotenen Hotels, aß noch eine Currywurst und schlug einfach zu.

Zwei Nächte später fand ich mich an einem Korallenriff wieder und buchte umgehend eine Massage am Strand. Dann ging es mit einem Bus durch die Wüste, wo ich eine Fata Morgana sah, und mit dem Schiff über den Nil, an dessen Ufern ich ein paar Tempel erkundete. So verging die Zeit, die ich mir für mich genommen hatte, ohne dass ich es merkte. Und wenn mir mal ein Gedanke an die Heimat kam, tauchte ich unter. Nach ein paar Wochen flog ich zufrieden zurück aus dem Sommer der Leichtigkeit in den Winter von Berlin. „Bitte passen sie beim Aussteigen auf, dass sie nicht ausrutschen“, sagte der Flugkapitän zum Abschied. „Die Gangway ist glatt.“ Dieser Moment wartet auch auf Guido Westerwelle.Robert Ide

5 vor Flug im Reisemarkt am Flughafen Tegel. Hinter der großen Anzeigetafel.

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