Was machen wir heute? : Äpfel essen

Geballte Symbolik: Der Apfel hat so viel mehr zu bieten als Wohnraum für Würmer.

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Nichts gegen Äpfel, immerhin sind sie gesund, vielseitig verwendbar und zu jeder Jahreszeit zu haben. Dieser Tage las ich, dass die Deutschen pro Nase 30 Kilogramm Äpfel im Jahr verbrauchen, statistisch gesehen. Donnerwetter, dachte ich, 30 Kilo! Die schaffst du nie. Ich habe kein besonderes Faible für Äpfel, die frühen Sommeräpfel ausgenommen.

Es geht doch nichts über die Klaräpfel im Juli und die August-Äpfel. In die beiße ich mit Lust hinein. Das Aroma ist himmlisch, sie duften und schmecken noch nach Garten und nicht nach Laden. Nur müssen sie halbreif sein, dann sind sie saftig und knackig. Mit der vollen Reife werden sie mehlig, aus ist es mit dem Genuss. Sommeräpfel halten sich ja nicht lange, daher sind sie rar, der Handel hält sich mit so etwas nicht auf. Zum Glück steht öfter ein Obstbauer aus dem Umland auf dem Markt und bietet sie an.

Heutzutage sind Äpfel nichts Besonderes mehr, die gängigste Obstsorte eben. Dabei hatten sie einmal größte Bedeutung. Sonst würden sich nicht so viele Sagen und Märchen, Mythen und Legenden um den Apfel ranken. Seit Urzeiten war er ein Symbol für Fruchtbarkeit und Liebe, Sünde und Erlösung. Adam und Eva wurden aus dem Paradies vertrieben, weil sie vom Baum der Erkenntnis aßen, angeblich war es ein Apfel. Schneewittchen sollte durch einen vergifteten Apfel sterben. Frau Holle belohnt das brave Mädchen, das die Äpfel pflückt, und bestraft das faule Mädchen, das keinen Finger rührt. Unsere Kaiser hatten als Sinnbild der Herrschaft den Reichsapfel, den wiederum zum Zeichen der Vergänglichkeit alles Irdischen das Kreuz zierte.

Und was hat es mit dem Zankapfel auf sich? Eris, die Göttin der Zwietracht, wirft einen goldenen Apfel mit der Aufschrift „Der Schönsten“ unter die Götter. Prompt streiten Hera, Athene und Aphrodite um den Schönheitspreis. Schiedsrichter Paris, Prinz von Troja, spricht den goldenen Apfel Aphrodite zu, die ihm dafür die schönste sterbliche Frau versprochen hat, nämlich Helena, die Gattin des Königs von Sparta. So löst der Raub der Helena den Trojanischen Krieg aus.

Wir aber liebten als Kinder die Klaräpfel aus Nachbars und die August-Äpfel aus dem eigenen Garten, gern durften es damals auch die angestoßenen Falläpfel sein. Da wurden – die Zeiten waren schlecht – die braunen Stellen in unserer Fantasie zu Schokolade, die es nicht gab.

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