Was machen wir heute? : Ai Weiwei

Plümper

Sie haben ihn feige misshandelt, heimtückisch fast totgeschlagen. Er hatte geholfen, einen Babynahrungsskandal aufzudecken. In China waren Kinder durch gepantschte Milch vergiftet worden. Wegen seines politischen Engagements haben sie sein Haus und sein Atelier zerstört. Am 3. April haben sie Ai Weiwei verschleppt.

Der Rentner und seine Frau stehen vor dem Teehaus von Ai Weiwei, das bis zum 2. Januar 2012 im Museum für Asiatische Kunst ausgestellt wird. In einer Ecke steht das 1,80 hohe Haus mit einem Spitzdach. Es ist aus Teequadern und Prismen (für das Dach) erbaut, sehr einfach gefügt, indem die gepressten Quader des Pu-Erh-Tees ohne Verbund lose aufeinandergestapelt wurden. Pu-Erh-Tee aus wilden Teesträuchern gibt es in gepresster Form, 2007 soll ein Kilo bis zu 3000 Euro gekostet haben.

Im selben Raum befindet sich auch noch ein chinesisches kaiserliches Thronensemble aus dem 17. Jahrhundert. Dieser Thron – ornamental behandeltes Palisander mit Gemälden aus Perlmutt und Goldfarben – lässt das Teehaus fast brutal einfach erscheinen. Der Rentner meint etwas hilflos, da sei eine Deutung wohl schwierig. Seine Frau widerspricht: Wieso schwierig, es sei ein Teehaus, ein Haus aus Tee. Aber nicht das aufs Äußerste abstrahierte, wunderschöne, japanische Teehaus einige Räume weiter, das Ruhe, Einkehr und Meditation verheißt. Sie liest dem Rentner aus einem Zettel des Museums ein Loblied auf den Tee vor, welches schließt: „Insel der Seeligen, wo bist Du?“ Dies Haus hier sei wacklig und bezieht sich vielleicht ähnlich auf bedrohte chinesische Traditionen, wie der Turm aus Türen und Fenstern aus abgerissenen Gebäuden in China, den Ai Weiwei 2007 auf der Documenta aufgebaut und den ein deutsches Unwetter dann umgerissen hat. Die beiden haben damals den Turm gesehen. Oder meint das Teehaus etwas ganz anderes? Wie auch immer – in Schöneweide wartet ein neues Atelier auf Ai Weiwei. Plümper

Ai Weiwei. Teehaus 2009, Museum für Asiatische Kunst, Lansstraße 8, 14195 Berlin

0 Kommentare

Neuester Kommentar