Was machen wir heute? : Allein zu Alba fahren

Wie ein Vater die Stadt erleben kann - mit Alba feiern

Gerd NowakowskiD

Nein, Herr Grube, für Entschuldigungen ist es jetzt echt zu spät. Bei Tochter Lara kann der Bahn-Chef, der sich für das S-Bahn-Chaos bei den Berlinern entschuldigt hat, nun wirklich nicht mehr landen. Das ist vorbei. Dabei ist daran aktuell nicht nur das Schienenchaos schuld, sondern die S-Bahn-Kontrolleure. Oder deren langer Schatten. Vor wenigen Tagen hat sich nämlich mal wieder ein Inkassobüro gemeldet mit der Anfrage, wann wir denn zu zahlen gedächten. Es seien 88 Euro offen – ansonsten wären jetzt Zwangsmaßnahmen fällig.

Das hat den Vater erschreckt und die 19-jährige Lara erst recht. Schließlich ist das ein kräftiger Happen ihrer mühselig durch vielfältiges Jobben verdienten Euros. Was am Anfang nur peinlich war – die Schülerin hatte ihre Monatskarte vergessen – hat inzwischen Züge eines absurden bürokratischen Selbstlaufs angenommen. Herr Kafka lässt grüßen, grollt Lara. Immerhin hat sie sich bei der S-Bahn mehrfach bemüht, den Vorgang aus der Welt zu schaffen. Vergeblich. Nur die vom Inkassobetrieb geforderte Summe wurde immer größer.

Immer diese Schülerkarten, denkt der Vater. So war es auch bei Tochter Franca, die im BVG-Bus erwischt wurde: Dabei hatte sie eine gültige Schülerkarte mit Monatsmarke und Jahresabo. Nur die sogenannte Trägerkarte fehlte – die ein Schulkind als Schulkind ausweist. Die Logik begreift der Vater nicht, weil 16-Jährige hierzulande eigentlich nichts anderes als Schüler sein können.

Und wer muss darunter leiden: der Vater. Der denkt an die Basketballer von Alba, wo anlässlich des Vereinsjubiläums das frühere Meisterteam aufläuft – für Tochter Lara die Helden ihrer Kindheit: Am Spielende klatschte sie immer die Jungs ab, im T-Shirt mit den Mannschaftsnamen wurde geschlafen, Autogramme waren Pflicht und Fotos mit Mithat Demirel oder Wendell Alexis kamen Reliquien gleich. „Nein, kann nicht mit, muss Geld verdienen“, antwortet die Tochter. Blöde Bahn, flucht der Vater. Gerd Nowakowski

Die Alba-Feier ist auch ohne S-Bahn erreichbar: Heute, 16 Uhr, Sömmeringhalle, Sömmeringstraße 29. U-Bahnhof Mierendorffplatz

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