Was machen wir heute? : Als Zaungast leben

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Zu laut, ich musste weg!. Zwei Jahre wohnte ich in einem Haus, das zu den Projekten der Internationalen Bauausstellung 1987 gehörte. Tolle Lage: Altes „Diplomatenviertel“, direkt am Tiergarten und am damals gerade erweiterten Zoogelände. Hinterm Zaun gegenüber grasten Pferde. Gegenüber aber wurde auch nervend lang und lautstark die einstige dänische Gesandtschaft für die Telekom umgebaut. Draußen lärmte es, drinnen zogen Architekturfreunde aus aller Welt durchs Haus. Manchmal klingelten sie, um sich meine Wohnung anzugucken. Bei aller Liebe: Hier konnte ich nicht wohnen bleiben.

Das ist verdammt lang her. Meine stille Liebe zur Gegend blieb. Wie ein Zaungast schaue ich immer wieder mal vorbei. Heute wie damals spaziere ich gern auf beiden Seiten des Landwehrkanals zwischen Lichtensteinbrücke und Unterschleuse am Schleusenkrug. Die zweigeteilte Lichtensteinbrücke, auf der einerseits Zoobesucher, anderseits normale Spaziergänger das Wasser überqueren: Wo auf der Welt gibt’s das sonst? Und dann dieser einmalige Uferweg: Er führt ganz gratis an Außengehegen des Zoos vorbei, an exotischen Vögeln oder auch Lamas, die bis zu sieben Meter weit spucken können. Vorsicht ist geboten. Leider sind die Gehege mit der Zeit ziemlich zugewachsen, und manchmal sind im Zoo nur die Menschen zu sehen. Als Zaungast des Lebens hat sich übrigens einst der Maler Adolph Menzel bezeichnet, auch Wassermännern wie mir wird das astrologisch nachgesagt. Wegen ihres Drangs nach Unabhängigkeit.

Zum Glück bekomme ich auch nur als Zaungast mit, wie lange nun schon die alte dänische Gesandtschaft umgebaut wird, diesmal für ein Luxushotel. Wäre ich hier wohnen geblieben – hätte ich wohl wieder wegziehen müssen. Christian van Lessen

Neben dem Uferweg und natürlich dem Zoo - an beiden Pfingstfeiertagen gibt es wieder zahlreiche Konzerte - ist auch der Landwehrkanal selbst eine Attraktion: Jährlich kommen gut 1,4 Millionen Besucher auf Fahrgastschiffen an seinen Ufern vorbei.

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