Was machen wir heute? : An die Schule denken

Wie eine Mutterdie Stadt erleben kann.

Dorothee Nolte

Wir kommen auch in den Ferien nicht von der Schule los. Der See, in dem wir hier oben im Norden baden, heißt Schulsee, außerdem will Lucas, 6, ständig pädagogisch wertvolle Ratespiele spielen, beispielsweise so: „Es ist ein Affe, und fängt mit J an!“ Hä? „Jimpanse!“ Abends betätige ich mich als Rechtschreibberaterin, denn Lucas hat von seiner Lehrerin die Aufgabe bekommen, ein Ferientagebuch zu führen. Die Schule ist also stets nah an meinem Herzen.

Sogar Timmy, der mit der Schule eigentlich wenig am Hut hat, geht das so. Er ist von einer englischen Zauberin verhext worden. Sonst so sportlich, liegt er seit Tagen auf dem Sofa und bewegt nur noch die Augen von links nach rechts, links nach rechts. Hin und wieder höre ich von ihm bildungsbürgerliche Fragen („Mama, was ist eine Kathedrale? Was heißt Beschlagnahmen? Was heißt Gwen Poddrie?“) oder ein Juchzen („Harry’s Mannschaft hat das Quidditsch-Spiel gewonnen!“) Mit dem kleinen Bruder spielen kommt nicht mehr in Frage, nicht mal fernsehen will er! Stattdessen verkündet er wichtige Nachrichten von Harry Potter: „Harry hat am 31. Juli Geburtstag! Und ich am 9. Juli!“ (Mathematisch messerscharfer Kommentar von Lucas: „Dann bist du älter als er.“) Beim Essen erzählt uns Timmy begeistert von Potters Fortschritten in der Zauberschule. „Dieses Buch“ – er ist im vierten Band auf Seite 383 „ist wie eine Sucht“, er freue sich schon auf den fünften Band mit seinen 1021 Seiten. Oje, denke ich, was hat die Schule mit ihrer Leseforderung nur angerichtet? Könnte ein Kind im Schleswig-Holstein-Urlaub nicht auch durch die Wiesen streifen?

Zu allem Überfluss werfen die kommenden Schuljahre ihre Schatten voraus. „In der 3. Klasse bekommen wir Sexy-Eye-Kunde“, verriet Lucas kürzlich. Was bitte? Vielleicht meint das Kind Sexualkunde? Vorsichtig frage ich nach, worum es in diesem kuriosen Fach denn gehe. „Da reden wir über unsere Schwachstellen!“ Hm, denke ich. Wo er recht hat, hat er recht.

In Sommerferien unverzichtbar: Bibliotheken. Infos unter: www.voebb.de

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