Was machen wir heute? : An morgen (gestern) denken

Wie ein Ost-Berlinerdie Stadt erleben kann - im Freibad, im Kino und im Gropius-Bau.

David Ensikat

Zunächst die holzmediale Selbstverständlichkeit: Heute (da diese Zeilen geschrieben werden) ist gestern (da diese Zeilen gelesen werden) – ein Umstand, der seit jeher Zeitungsschreibern zu schaffen macht.

Vorgestern dachte ich: Übermorgen wirst du die Kolumne mit dem „Was machen wir heute“- Tipp schreiben, aber dann wird der Sommer vorbei sein; mir fallen nur Sommertipps ein, weil derzeit (vorgestern) noch Sommer ist; hoffentlich ist das morgen (gestern) schon anders.

Gestern (morgen) war aber noch Sommer, ich war im Freibad Pankow – und außer mir war da noch die übliche Schar an Schwimmmeistern und Sicherheitsbediensteten, alle außerhalb des Schwimmbeckens. Im Schwimmbecken schwamm ich allein. Eine ausgesprochen empfehlenswerte Angelegenheit für alle, die gern schwimmen und ungern Arschbombenwettbewerbler im Rücken spüren – nur eben ein Sommertipp.

Bereits gestern (morgen bzw. vorgestern) wusste ich, dass es morgen (übermorgen bzw. heute) einen Temperatursturz ins Herbstliche geben wird. Zwar wird die Wassertemperatur im Freibad Pankow annähernd konstant bleiben, und voller wird’s auf keinen Fall, aber es wird Herbst; die Zeitung, wenn auch als Medium tendenziell vorgestrig, ist einer gewissen Aktualität verpflichtet, also hier noch ein Tipp, nein zwei Tipps für die kalte Jahreszeit: Erstens die Fotoausstellung von Herlinde Koelbl im Gropius-Bau. Da war ich am Nachmittag noch drin, und es war ähnlich leer wie im Freibad Pankow, allerdings waren die Sicherheitsbediensteten wärmer angezogen und deutlich älter. Die Fotos sind ganz ausgezeichnet. Zweitens die ersten zehn Minuten des Tarantino-Films „Inglourious Basterds“. Die restlichen 140 Minuten kann man sich schenken. Man könnte sie draußen verbringen. Wenn noch Sommer wäre. David Ensikat

Koelbl-Ausstellung im Martin-Gropius- Bau, (außer dienstags) 10 –20 Uhr. „Inglourious Basterds“, OmU im „International“, „Hackesche Höfe“ (Mitte) und „Odeon“ (Schöneberg).

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