Was machen wir heute? : An Schotten scheitern

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Vor zwei Wochen war ich beim Lehrersprechtag in der Schule des mittleren und des kleinen meiner drei Jungs. Die Frau bestand darauf, bloß kein Lehrerinterview auszulassen, während die Jungs der Meinung waren, ich könnte den Nachmittag gut anderweitig verplanen. Ich habe versucht, einen Mittelweg zu finden, aber als wir abends beim Wein über meine Tour durch die Klassenzimmer plauderten, da hat die Frau gesagt: „Du hast die Englischlehrer vergessen! Beide!“

Ja, wie konnte ich nur, und, noch wichtiger: Wie kann ich es nur wiedergutmachen? Die Frau hat gesagt: „Tut halt was für eure Bildung und schaut euch einen englischen Film an.“ Ich ködere die Jungs mit dem ersten Teil vom siebten Harry-Potter-Film, und dann auch noch in der Originalversion … „Cool, Daddy!“, sagt der Kleine. Also sind wir ins Kino, gleich am Anfang trifft sich Harry mit ein paar Freunden, einer davon spricht schweren Akzent (Schottisch?). Der Mittlere stößt mir den Ellenbogen in die Seite und fragt, ob die Regie vielleicht die rumänische Spule eingelegt hat. Glücklicherweise spielt der Schotte eine eher untergeordnete Rolle. Für die Dialoge sind fast ausschließlich der langweilige Harry und die entzückende Hermine zuständig, beide aufgewachsen in London. Ron nuschelt ein bisschen, aber der hat eh nicht viel zu sagen.

Es wird in diesem ersten Teil des siebten Harry-Potter-Films viel getötet und geschossen und gekämpft, aber die Jungs haben ihren Spaß, vor allem an Hermine, von der sie noch gar nicht wussten, dass sie eigentlich Hermione heißt und sich „Hörrmajenie“ ausspricht. Harry hat ganz schön zu kämpfen, zwischenzeitlich sieht es übel für ihn aus, auch am Ende ist noch längst nicht alles gut. Aber es gibt ja noch einen zweiten Teil vom siebten Film, den die Jungs natürlich unbedingt sehen wollen. Aber doch lieber auf Deutsch, vielleicht kehrt ja der Schotte zurück, und beim nächsten Sprechtag darf ich auch gern mit den Englischlehrern reden. Sven Goldmann

„Harry Potter and the Deathly Hallows“ läuft in mehreren Berliner Kinos.

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