Was machen wir heute? : An Spandauer Ufern wandeln

Wie ist so ein Spaziergang in Spandau an der Havel? Unser Kolumnist hat es ausprobiert.

Plümper

Da sitzen sie, der Rentner und der Künstlerfreund, essen Kartoffelsuppe, sehen hinaus auf die Havel. Windig ist es, aber die nette Kellnerin hat ihnen zwei Decken herausgebracht. „Ist ja wie verreist“, meint der Künstlerfreund. Sie sind vom Rathaus Spandau mit dem Bus 236 bis zur Schützenstraße gefahren und dann am Ufer bis zur ersten Eiswerderbrücke gelaufen. Von fern sehen sie eine hohe Brücke, die Seebrücke, mit seltsamen Glaskästen auf ihren Pfeilern.

Nach der Querung der Insel Eiswerder gehen sie weiter auf dem Uferweg. Bei einer hohen mit Klinkern verkleideten Ruine zeigt die Wetterfahne das Jahr 1942. Hier wurden Schießpulver und Giftgas hergestellt. Das Grundstück lässt sich nicht verkaufen, weil der Boden vergiftet ist. Weiter auf dem Uferwanderweg in Richtung der Seebrücke. Gegenüber die Liebesinsel mit Lauben und einem Restaurant. Im August vorigen Jahres konnte man die Insel für 650 000 Euro kaufen, die Wirtin des dortigen Lokals ist 72 geworden.

Nun über die Seebrücke. Die Glaskästen auf den Pfeilern der spannend gestalteten Brücke enthalten Lampen, deren Lichter durch Spiegel auf die Fahrbahn gestreut werden, vermutlich auch abends ein schöner Anblick. Die Pfeiler sind mit Torfbrandziegeln verkleidet. Jeder Ziegel hat seine Individualität, jeder hat eine etwas andere Oberfläche und Farbe.

Weiter am Wasser: Über eine Klappbrücke für Fußgänger, zwischendurch auch auf der Straße. Zurück nach Spandau, meistens am Ufer der Havel entlang, vorbei am Kolk, dem ältesten Teil Spandaus.

Zuletzt der Besuch der Nikolaikirche. Die späte Sonne verbreitet durch die gotischen Spitzbogenfenster ein warmes Licht in der Hallenkirche. Langsam gehen die beiden durch die Kirche, sehen sich den Altar aus dem 16., den Taufkessel aus dem 14. Jahrhundert und die Grabmäler an. Ist ja wie verreist.

Anfahrt: Fernbahn, S-Bahn oder U-Bahn Rathaus Spandau, 236 (bis Schützenstraße), dann meist auf Uferwegen.

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