Was machen wir heute? : Ans andere Geschlecht herantasten

Wie eine Mutterdie Stadt erleben kann

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Eigentlich haben wir es nicht so mit dem anderen Geschlecht, Mädchen sind uns eher lästig. Daher war ich erstaunt, als Lucas, 7, plötzlich anfing, von Isabelle zu schwärmen. „Ich möchte mich mit ihr verabreden“, drängte er. „Gleich morgen! Wir sitzen in der Schule nebeneinander und da“ – ich spitzte die Ohren – „da plappern wir zusammen und tauschen Radiergummis!“ Holla, dachte ich, so fängt es an. Isabelle hat lange dunkle Haare und eine gewaltige Zahnlücke, ihre Mutter war früher Tänzerin in der Türkei, da vermutete ich einiges Temperament. Als ich ihre Nummer wählte, hüpfte Lucas herum. „Ich bin so aufgeregt!“, rief er, „mir geht’s so gut!“ Sicherheitshalber fragte ich nach, was er denn an Isabelle so toll finde. „Sie ist so nett“, seufzte das Kind. „Sie hat eine Wii!“

Wenige Tage später holte ich ihn von dort ab und traf ihn auf dem Sofa an, wie er mit Isabelles großem Bruder die Fernbedienung der Wii schwenkte, um irgendwelche Figuren auf dem Fernsehschirm abzuschießen. Isabelle saß derweil leicht beleidigt in der Ecke. Seit diesem denkwürdigen Rendezvous muss ich mir täglich anhören, wie dringend unsere Familie eine Spielekonsole Wii braucht, mit der man ja auch Ski fahren, Bowlen und Tennis spielen kann, alles im Wohnzimmer. „Das ist so gesund!“

Ich fürchte, dieser Streit wird uns noch lange verfolgen, denn Lucas hat angekündigt, dass er auch als Erwachsener bei uns bleiben möchte. Er hat sogar schon die Zimmer unserer Wohnung aufgeteilt. „Ich brauche dann ja auch ein Zimmer für meine Kinder!“ Ich sah schon wieder das andere Geschlecht um die Ecke lugen. „Wenn du Kinder hast“, wagte ich einzuwerfen, „brauchst du auch eine Frau!“ Großes Erstaunen. „Na gut“, stimmte das Kind nach einigem Zögern zu. „Aber dann will ich nicht so’ne gemeine nehmen.“ In dem Punkt konnte ich ihn beruhigen: Denn gemeine Frauen, die gibt es ja gar nicht! Dorothee Nolte

Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Sport vor der Wii nicht so effektiv ist wie echter Sport. Bei Eiseskälte empfiehlt sich Indoor-Klettern, z.B. bei Boulderworx in der Berliner Straße 46, Wilmersdorf.

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