Was machen wir heute? : Auf Häppchenjagd gehen

Lothar Heinke

Ach, so schnell ist ein Jahr rum. Es ist noch gar nicht lange her, da sagten wir uns nach einem durchzechten Tag: Die nächste Grüne Woche kommt bestimmt. Und nun ist sie schon wieder da, vollgestopft mit den Speckseiten des Lebens und den Äpfeln der Erkenntnis, dass für die Menschen das Essen der Himmel auf Erden ist, wie Konfuzius so weise sprach.

Ich seh uns noch mutig und aufrecht durch die Hallen schlendern, doch je später der Nachmittag, desto schwerer die Taschen und malader das Publikum. Unermüdlich ist es in diesem größten KaDeWe der Welt auf Häppchenjagd. Kein Baumkuchen ist besser als der aus Salzwedel, und dieser bayerische Wurstzipfel erst, der Schweizer Kas, die Kaviareier und der italienische Schinken?! Das Leben kann ja so schön sein – was sind wir doch für ein reiches Land mit seinen Schafen, Kühen, Ferkeln und Schweinebacken und allem, was der Bauer, die Lebensmittelindustrie und der Chefkoch daraus auf die Teller und in die Bäuche zaubern.

Bäuche! Seht sie euch an, wie sie sich durch die Gänge schieben, Bauch an Bauch, und wie gerade die Dicken so stolz, so selbstbewusst und vergnügt jedem Eisbein entgegenstrahlen, aber karge Kost, fettlos und prüde ungesalzen, von sich weisen. Ach, Gesundheit! Lasst dicke Männer um mich sein. (Für Frauen gilt das nicht, aber auch sie wissen, was der Hüfte gut tut).

Wenn wir einer jüngst veröffentlichten Studie glauben, kommen die meisten Leute mit den Rettungsringen aus den neuen Bundesländern: In der DDR waren frische Gemüse und Südfrüchte rar, dafür gab’s ordentlich Butter, Streichwurst und Schweinskram. Nun haben wir den Salat. Die Deutschen Ost sind die Dickbäuche der Nation, der Umfang des Thüringers misst im Schnitt 98,27 Zentimeter, in MeckPom und Sachsen-Anhalt sieht es ähnlich aus. Dabei hört bei 93 Zentimetern schon die Gemütlichkeit auf. Oder fängt sie erst an? Lothar Heinke

Viel Spaß unterm Funkturm. Und das Bandmaß nicht vergessen!

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