Was machen wir heute? : Auf Landpartie gehen

Nicola Kuhn

Lange Zeit waren Jan und Josefine die besten Ausstellungsbegleiter, die man sich wünschen kann. Mit erfrischender Offenheit taten sie ihre Meinung kund und halfen selbst professionellen Betrachtern zu manch neuer Erkenntnis, die so noch nicht von der Kunstkritik diskutiert worden war. Während Jan schon vor einem Jahr beim Stichwort Museum abzuwinken begann, fordert nun auch Josefine am Wochenende ein eindeutiges Kinderprogramm. Seitdem versuche ich sie mit Ausflügen aufs Land zur Kunst zu locken, denn Brandenburg ist reich an Ausstellungszielen, aber das brauchen die Kinder ja nicht gleich zu wissen.

Jan bekommt also seine Quiche für das Picknick gebacken, Josefine ihren Badeanzug eingepackt – und schon kann es auf Landpartie gehen, diesmal zur Art Biesenthal. Die Anfahrt dauert nur eine knappe Stunde, das verkraften sogar die sensiblen Mägen von Sechsjährigen. Bei Lanke raus und den historischen Wehrmühlweg in Biesenthal runter, schon findet sich die Gesellschaft vor dem prächtigen Gutshaus wieder, von dem bei genauerer Betrachtung jedoch nur noch die Fassade steht. Dahinter haben Zanderroth-Architekten völlig neu gebaut – ein Ort, wie für die Kunst gemacht. Damit sind sogar Jan und Josefine einverstanden. Umso mehr, als sich nun erst herausstellt, dass die Villa an diesem Tag keine Besucher empfängt.

So bleibt es beim heimlichen Picknick im Garten und erhaschten Blicken auf die Kunst im Außenraum: ein gigantischer Knochen von Sabine Groß, ein Spiegelwürfel von Jan Koch und die Lichtinstallation „Art sucks“ von Marcel Bühler, deren Birnen allerdings ausgeschaltet sind. Hinter den Büschen sind Fabian Reimanns stählerne Luftzeichnungen zu erahnen. Bis zum Bach, wo sich Dennis Feddersens schwarzes Untier an herabhängende Zweige klammert, trauen sich nur die Mutigsten. Wir müssen wohl noch einmal wiederkommen. Bleibt zu hoffen, dass sich Jan und Josefine ein zweites Mal von der Mogelpackung überzeugen lassen. Nicola Kuhn

Art Biesenthal, bis 14. September; www.biesenthal.org

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