Kultur : Was machen wir heute?: Auf Logos verzichten

Daniel Haaksman

Wo kaufen Sie eigentlich die Klamotten ein, die Sie zum Clubben anziehen? Ich rede natürlich nicht von Smoking oder Cocktailkleid, ich meine die Sachen, die sich problemlos mit Ihrer Alltagsgarderobe kombinieren lassen, die aber trotzdem alle Blicke auf sich ziehen? Eins von diesen schicken Lederarmbändern, das extravagante T-Shirt in asymmetrischem Schnitt oder das rare Paar 70er-Jahre-Turnschuhe? Wenn Sie in Mitte oder Prenzlauer Berg wohnen, gehen Sie, um solche Sachen zu finden, wahrscheinlich in die Neue Schönhauser Straße. Da reihen sich die Boutiquen mit den ausgefalleneren Party-Klamotten ja aneinander: Läden wie das Apartment, Respectmen und 2 Die For.

Ich war etwas länger nicht mehr in der Neuen Schönhauser Straße, um Klamotten zu kaufen. Denn vor einiger Zeit war ich in Paris und London - eigentlich um Platten zu kaufen, aber dann konnte ich einfach nicht anders als mich mit Sweatshirts und Schuhen einzudecken. So viele Sachen, von denen ich dachte: Die kriegst du nie in Berlin.

Letzten Montag habe ich mich wieder einmal rund um die Neue Schönhauser umgeschaut. Ich habe die Ecke kaum wieder erkannt; eine ganze Handvoll großer Marken hat dort Filialen eröffnet. Was das für unsere lieb gewonnenen Party-Boutiquen künftig bedeutet, können Sie sich ja wahrscheinlich denken: Die Mieten in der Gegend werden weiter steigen, die Preise in den Geschäften ebenfalls, und irgendwann wird der alte, individuelle Charme weg sein, und die Straße wird zu der Sorte Shopping-Meile gehören, die man schon aus zig anderen Städten kennt.

Man kann in der Neuen Schönhauser einen Feldzug der Marken beobachten, wie ihn die kanadische Autorin Naomi Klein in ihrem Buch "No Logo" geschildert hat. Glücklicherweise jedoch ist Mitte groß, und der Marken- und Logo-Terror wird wohl nicht überall Einzug halten.

Gehen Sie zum Beispiel mal in die Ackerstraße 154. Dort hat die Münchner Modedesignerin Ayzit Bostan ihr Geschäft eingerichtet. Es gibt leider nur Damensachen, aber auch Männer finden, zum Beispiel als Mitbringsel oder für Geburtstage, immer irgendetwas Nettes: Accessoires, Taschen und Schmuck, aber auch Basics in klassischen Schnitten wie etwa Blusen, Röcke und Hosen.

Eine gute Freundin, die es wissen muss, jedenfalls findet, dass die Klamotten toll geschnitten sind; die Auswahl der Stoffe, sagt sie, zeugen von einer guten Nase der Designerin. Und dann sei dieser Laden ja wohl ein Glücksfall für das sonst schwer fashiongebeutelte Berlin, wo man als Modeinteressierte lange suchen muss, um etwas Schönes zu finden.

Wenn Sie also an diesem Wochenende auf eine Party oder einen Geburtstag eingeladen sind, und Sie haben noch nichts zum Anziehen oder Verschenken gefunden, werden Sie bei Ayzit Bostan mit Sicherheit fündig. Vorausgesetzt natürlich, Sie können auf Logos verzichten.

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