Was machen wir heute? : Auf nächstes Jahr warten

Wie ein Vater die Stadt erleben kann: Sich in gelben Weltrekordschuhen vor dem Marathon drücken.

Sven Goldmann

Ein großes Paket ist für mich angekommen. Wie immer fragt der kleine meiner drei Jungs, ob er schon mal auspacken darf. Er gibt die Hoffnung nicht auf, dass vielleicht ein Flachbildfernseher, Nintendo oder Laptop drin ist, für den ich zufällig keine Verwendung habe. Es ist aber nur ein Karton mit gelben Schuhen. Quietschgelb, voll cool, sagt der Kleine, und ob er sie mal anprobieren könne. Bei Größe 45 ist das ein selbstbewusstes Unterfangen für einen Elfjährigen. Die Schuhe kommen von einem großen deutschen Sportartikelhersteller, dessen Name ich hier nicht erwähnen darf, nicht mal, dass er für seine drei Streifen berühmt ist.

Ich erkläre dem Kleinen, dass Haile Gebrselassie in diesen Schuhen beim Berlin-Marathon laufen will. Dazu muss man wissen, dass ich im letzten Jahr das Vorgängermodell getestet habe. Die Schuhe waren super, schön hart und nicht mit dem üblichen Dämpfungsschnickschnack ausgestattet. Genau das habe ich geschrieben. Zwei Tage später ist Gebrselassie Weltrekord gelaufen, und wahrscheinlich haben die von der Firma mit den drei Streifen mir deshalb … Der Kleine unterbricht: Schöne Geschichte, Papa, aber jetzt mal zu etwas Wichtigem: Er läuft nämlich einen Tag vor Gebrselassie beim Mini-Marathon mit und ich soll doch bitte mitkommen, am besten in den quietschgelben Schuhen.

Gestartet wird an der Nationalgalerie, weiter geht es in weitem Bogen durch Mitte bis zum Brandenburger Tor. Ich kürze ein bisschen ab, muss mir und den anderen Vätern nichts beweisen in meinen Weltrekordschuhen, sie sind übrigens wieder klasse, noch besser als im letzten Jahr. Der Kleine kommt glücklich ins Ziel, gut 19 Minuten braucht er für die 4,2195 Kilometer. Hat Spaß gemacht, sagt er, und dass ich jetzt an der Reihe sei. Am nächsten Tag beim großen Marathon, dafür hast du doch die Weltrekordschuhe! Für einen Augenblick werde ich so rot wie die Schuhe gelb. Gut, dass die Anmeldefrist schon seit ein paar Wochen abgelaufen ist.

Für den nächsten Berlin-Marathon kann man sich gar nicht früh genug anmelden, er findet am 26. September 2010 statt.

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