Was machen wir heute? : Auf taub stellen

Wie ein Vaterdie Stadt erleben kann

Stephan Wiehler

Mann, wie gerne würde ich mal wieder Musik hören – ich meine Musik meiner Wahl: ein bisschen Snow Patrol, die nicht mehr ganz neue Peter Fox, die bei mir im Auto liegt, oder Motor FM im Radio. Aber mit Greta ist darüber ja nicht zu reden.

Meine zweijährige Tochter belegt meine Stereoanlage, sobald sie ihr Aufwachfläschchen ausgetrunken hat. Und kaum habe ich sie im Kindersitz festgeschnallt, verlangt sie ihre „Mucka“. Mein Soundtrack auf der Fahrt zur Kita besteht aus den Toggolino-Hits („Teddybärtanz“) oder den Best of „Zecchino d'' Oro“, einem italienischen Festival der Kinderlieder, von denen wir mehrere CDs haben, die bei uns rauf- und runterlaufen. Es kommt sogar vor, dass ich Greta längst abgeliefert habe, und erst auf dem Tagesspiegel-Parkplatz fällt mir auf, dass immer noch „Le tagliatelle di nonna Pina“ aus den Lautsprechern dudelt.

Ein Großteil meiner italienischen Sprachkenntnisse entstammt Liedern wie „Il coccodrillo come fa?“ (Wie macht das Krokodil?) oder „La bella tartaruga“ (Die schöne Schildkröte). Das gibt Ihnen eine Vorstellung davon, auf welchem Niveau ich mich mit meiner sardischen Schwiegermutter unterhalten kann.

Mit meiner ältesten Tochter Emma, die sechs Jahre alt ist, kann ich mich inzwischen auf eine gewisse Abwechslung in der Musikauswahl verständigen. Mal hören wir, was sie will, und dann darf ich etwas aussuchen. Aber Klein-Greta lässt sich auf keine Deals ein. Ob Dance oder Trance, Brit Pop oder Hip-Hop, Wave oder Rave, was ich auch einlege – sofort schwillt hinter mir der Protest an, und Greta rappt „Mucka, Mucka!“, bis ich entnervt auf die canzoni dei bambini umschalte. Erst wenn der gewünschte Sound läuft, habe ich meine Ruhe. Dabei heißt es immer: Böse Menschen haben keine Lieder. Stephan Wiehler

„Wir Kinder vom Kleistpark machen Musik“ (Label fünfton) heißt die zweite CD, die Kinder der Kita am Kleistpark gemeinsam mit Profi musikern eingespielt haben. Die großartige CD mit Liedern, Versen und Texten aus aller Welt und einem Coverfoto von Jim Rakete ist eben erschienen und kostet 14,99 Euro.

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