Was machen wir heute? : Aufs Klima pfeifen

Stephan Wiehler

Als Fußballtrainer bin ich völlig untauglich. Darum werde ich mich heute mal in der zweithäufigsten Freizeitdisziplin der Deutschen ausprobieren: im Jammern auf hohem Niveau.

Wir mussten uns nämlich gerade ein zweites Auto anschaffen. Ich ärgere mich vor allem deshalb darüber, weil ich bisher viel Sympathie für eine Partei gehegt habe, die der Automobilindustrie nie sonderlich nahestand. Aber leider wohnen wir in Kreuzberg, und zwar in einem Teil Kreuzbergs, in den nicht mal der Regierende Bürgermeister seine Kinder zur Schule schicken würde. Während Klaus Wowereit diese Verlegenheit bekanntlich erspart bleibt, mussten wir unsere Tochter Emma kürzlich einschulen. Und ihre kleine Schwester Greta geht neuerdings in die Kita. Beide Tatsachen erfordern zusammen eine ungeheure Transportlogistik für nur ein Elternpaar.

Zum Glück haben wir den richtigen Migrationshintergrund (meine Frau ist Italienerin), und so konnten wir die wohnortnahe Grundschule umgehen und Emma an der deutsch-italienischen Europaschule in Schöneberg anmelden. Meine Frau arbeitet in Hohenschönhausen, Greta muss ans andere Ende von Kreuzberg in die deutsch-italienische Kita gebracht und von dort abgeholt werden, und ich selbst bin in Tiergarten tätig. Würden wir alle notwendigen Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen, wären meine Frau und ich zusammen täglich zwei Stunden länger auf den Beinen.

Berlins Umweltsenatorin Katrin Lompscher wäre das sicher lieber. Sie hat zum Schulanfang alle Eltern aufgerufen, die Kinder nicht mit dem Auto herumzuchauffieren – dem Umwelt- und Klimaschutz zuliebe. Stattdessen verrate ich aus reiner Bequemlichkeit meine klimapolitischen Überzeugungen. Na ja, immerhin habe ich zur Finanzierung des Fahrzeugs rechtzeitig vor dem globalen Finanzkollaps noch einen Kredit aufgenommen, den ich möglicherweise nie wieder zurückzahlen muss. Wen kümmert schon das Klima? Stephan Wiehler

Hören Sie auf zu jammern! Verjubeln Sie lieber Ihr Erspartes – solange noch was übrig ist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben