Was machen wir heute? : Aufs Taschengeld warten

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Der Vater ist der griechische Krisenfall in der Familie. Sagen jedenfalls die beiden Töchter. Immer müssen wir auf unser Taschengeld warten, beklagt sich die 17-jährige Franca. Und Schwester Lara wedelt wieder mit der Quittung für die vielen Bücher, die sie für die Universität gekauft hat. Und wolltest du nicht die Fahrtkosten für meine Seminarreise übernehmen?

„Ist ja gut“, stöhnt der Vater: „Ich überweise euch das Geld sofort aufs Konto.“ „Ja, ja, das hast du schon letzte Woche gesagt“, grollt Lara: „Du machst Schulden, und wir müssen darunter leiden.“ „Ihr müsst doch verstehen, unsere Familie ist eine Solidargemeinschaft, da müssen wir füreinander einstehen, wie in der Europäischen Union“, argumentiert der Vater. „Ja, und wir sind die Generation, die dann eure Schulden zahlen muss“, höhnt Lara. „Hier sind gerade alle froh, dass wir nicht den Euro haben“, sagt Franca, die derzeit in England zur Schule geht. Eine Europaskeptikerin in der Familie, denkt der Vater, das hat noch gefehlt.

„Ich will mir jetzt jedenfalls eine Arbeit suchen und Geld verdienen“, sagt Franca, „vielleicht im Supermarkt.“ „Das ist gut, ich wollte euch sowieso fragen, ob ihr nicht aufs Taschengeld verzichten möchtet“, sagt der Vater: „Das könnte ich dann anlegen. Prominente Unternehmer rufen doch gerade dazu auf, aus Solidarität griechische Staatsanleihen zu kaufen.“ „Kommt nicht infrage“, antwortet Franca: „Die sollen ihre Pleite selber verhindern.“ „Wenn ich Spekulant wäre“, wirft die 19-jährige Lara ein, „würde ich jetzt auch auf deine Insolvenz wetten.“ „Dann bekommt ihr euer Taschengeld aber erst recht nicht“, sagt der Vater. „Ein Glück, dass in der Not unser Internationaler Währungsfonds funktioniert“, sagt Franca. „Auf Oma und Opa ist jedenfalls immer Verlass.“ Gerd Nowakowski

Schnell 75 000 Euro verdienen? Dafür muss man nur für einen medizinischen Versuch ein Jahr in Quarantäne. „Steriler Ungehorsam“, ein Stück für Jugendliche ab 14. Grips-Theater Mitte im Podewil, Klosterstr. 68 (U-Bahn U2), Sa, 19.30 Uhr, So, 18 Uhr. 6 Euro, erm. 3 Euro.

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