Was machen wir heute? : Augen zu und durch

Brigitte Grunert

Sinds die Augen, geh zu Mampe, gieß dir einen auf die Lampe, kannste alles doppelt sehn, brauchste nicht zu Ruhnke gehn. Na ja, der alte Spruch taugt nicht mehr. In diesem Punkt jedenfalls muss sich unsereiner nicht mehr mit Humor behelfen, die moderne Medizin macht fast alles möglich.

Unser Augenarzt ist großartig. Die Rentnerin ist immer ganz fasziniert, wie er im Halbdunkel des Sprechzimmers mit seinen Tropfen und Apparaturen hantiert, wie er grelle Lichtblitze zucken lässt, wenn er scharf ins Auge leuchtet. „Sie sind ja ein Zauberer!“, sagte sie neulich. Doch das hat er missverstanden. Er erwiderte, es gebe Menschen, denen er leider, leider nicht helfen könne. Klar, sie wollte ihm kein billiges Kompliment machen.

Regelmäßig hat er seinen Laser-Tag. Man merkt das gleich im Wartezimmer. Dann sitzen die Patienten dort mit geschlossenen Augen und rühren sich nicht auf ihren Stühlen, die meisten ältere Semester. Ab und zu erscheint die Arzthelferin mit Tropfen und Blutdruckmessgerät, schaut in die Pupillen, ob sie weit genug sind für die Laser-Therapie. Der Blutdruck eines alten Herrn ist offenbar etwas hoch. „Oh!“, sagt sie, „sind Sie aufgeregt? Müssen Sie nicht.“ Der alte Herr nickt.

Manche sind vorsichtshalber in Begleitung gekommen. Eine waschechte ältere Berlinerin unterhält die ganze Gesellschaft. „Also ich“, verkündet sie, „ick hab’ meine Ärzte dazu erzogen, dass ich nicht warten muss, möchte wissen, wat hier so lange dauert.“ Dann fragt sie in die Runde, ob es wehtut, das Lasern, und wie lange man braucht. Ihre Schwester sei nämlich aufgeregt und ängstlich. Die Schwester mit den geschlossenen Augen sagt keinen Ton. Jemand meint beruhigend, das gehe doch wie’s Brezelbacken, ein Klacks, kurz und schmerzlos.

Wer es hinter sich hat, bekommt einen Wattebausch aufs Auge gepflastert und ein paar Verhaltensmaßregeln. Der Verband sieht zwar nicht schön aus, muss aber für die nächsten Stunden sein. Auch die Schwestern ziehen erleichtert von dannen. Ach, man müsste klar sehen, also begreifen, was passiert, dann hätte man kaum Stress. Brigitte Grunert

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben