Was machen wir heute? : Bahn fahren

Plümper

Ist „Rentner“ nicht doch ein nachsichtiges Schimpfwort? S-Bahn fahren hat der Rentner gelernt, obwohl er Westberliner ist. Aber Regionalbahn? Ganz schnell sei man in Oranienburg, sagt der Künstlerfreund, viel schneller als mit der S-Bahn. Der Rentner verlässt etwas nervös und viel zu früh das Haus. Typisch Rentner!

Zwei ABC-Fahrkarten soll er kaufen. Nun steht er auf dem Bahnhof vor dem Automaten. Das Ding hat etwa zwanzig Knöpfe, aber keinen für ABC. Er liest sogar die Gebrauchsanweisung, hat ja genug Zeit. Aber er versteht sie nicht. Typisch Rentner? Glücklicherweise sitzt aber auf einer Bank eine Schaffnerin. Freundlich tippt sie mit einem Stift in ein Kästchen, sie tippt und tippt. Endlich spuckt das Kästchen eine hübsche Tageskarte für 6,30 aus. Froh ist der Rentner: Scheint auch für die Schaffnerin ein schwieriges Geschäft gewesen zu sein. Also doch nicht typisch Rentner? Aber so richtig froh bleibt er nicht: Der Zug kommt 11 Minuten zu spät. Damit fällt der Anschluss auf dem Hauptbahnhof weg. Dafür erfährt er dann später, dass zwei Fahrscheine ABC 90 Cent weniger gekostet hätten. Doch mit der S-Bahn kommt er noch nach Oranienburg, nur viel später. Aber als Rentner hat man ja Zeit (deutsche Volksweisheit).

Das Schloss an der Havel ist völlig restauriert. Eine charmante, sehr kompetente Führerin erklärt die historischen Hintergründe der dortigen Gemälde und den Gebrauch der Silbergefäße. Da hat sich die lange Fahrt doch gelohnt.

Bei der Rückfahrt klappt es mit der Regionalbahn. Aber der Fahrstuhl auf dem Hauptbahnhof! Der Rentner drückt auf den Knopf, fährt in die zweite Etage und wartet auf seine, die dritte. Doch immer wieder wird er ins Erdgeschoss transportiert. Erst bei vierten Mal merkt er, der dritte Knopf ist außer Betrieb. Typisch Rentner? Aber seinen Zug erreicht er trotzdem noch. Er hat nämlich Verspätung. Glück hat er, der Rentner!Plümper

Tipp: Hinweise zum Schloss Oranienburg im Internet.

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