Kultur : Was machen wir heute?: Bananenblätter streicheln

Dagmar Dehmer

In Freiburg ist Frühling. Da blühen die Forsythien, die Kirschbäume und sogar die Magnolien. Und kein Dauerregen bringt den Winter zurück. Nach einem Ausflug in den Süden ist Berlin im Schnee ein echter Schock. Hier ist es immer noch grau, es ist kalt, und nichts weist darauf hin, dass das Leben weitergeht. Nur eine einsame Kohlmeise sitzt jeden Morgen um fünf in unserem Hinterhof, singt ihr Zizibäh und erinnert uns an den ersehnten Frühling.

Aber selbst im grauen Berlin gibt es Orte der Hoffnung. Da ist zum Beispiel der Botanische Garten in Dahlem. Im Tropenhaus wird auch die graue Berliner Suppe, in der zu allem Überfluss auch noch Schneeflocken tanzen, erträglich. Die Wärme umfängt den Gast zärtlich - einmal nicht frieren in dieser kalten Stadt. In den Gewächshäusern kreischen tropische Vögel, und wenn man Glück hat, lassen sie sich ab und zu auch zwischen den hundert Grüntönen der großen und kleinen Pflanzen sehen. Was für ein Anblick für das entwöhnte Neu-Berliner Auge, das einen ewig langen Winter hindurch nur Elstern und Nebelkrähen zu sehen bekommen hat.

In einem der kleineren Gewächshäuser wachsen alle Gewürze, die das Leben lecker machen. Die Wintergewürze Zimt oder Vanille gedeihen in der feuchten Schwüle prächtig. Nebenan wachsen Ingwer - er schmeckt frisch und scharf, wenn er direkt nach der Ernte aufgeschnitten wird - oder Pfeffer. Am schönsten sind jedoch die drei oder vier unterschiedlichen Bananenarten, die sich hier mitten in Berlin nach der Decke strecken.

Die Stauden mit ihren Scheinstämmen und den großen grünen Blättern sind zwar nur eine Erinnerung, zum Beispiel an Costa Rica, wo von den rund 700 Bananensorten immerhin 100 bis 200 wachsen. So genau weiß das keiner. Aber sie sind zumindest eine Annäherung an den Regenwald. An das Grenzgebiet zwischen Costa Rica und Panama, wo die Bribri-Indianer unter den Wipfeln der Baumriesen Biobananen anbauen und Kakao.

Jetzt die Augen schließen, Bananenblätter streicheln und sich weit weg träumen. Vor dem geistigen Auge entstehen Helikonien, die bunt blühenden Verwandten der Bananen. Am Boden müssten jetzt Blattschneideameisen ihre Wege durch den dichten Dschungel suchen. Und tatsächlich, ein Ruck an der Hose: Sollten die Ameisen etwa über meine Schuhe ziehen? Aber nein, es ist nicht der tropische Regenwald, es ist nur das Tropenhaus im Botanischen Garten. Blattschneideameisen sind am Boden keine zu sehen. Und in meiner Hose hat sich ein Kind verheddert, für das alle Hosenbeine irgendwie gleich aussehen.

Auch wenn das Tropenhaus kein Ersatz für den wirklichen Sommer sein kann, ein Besuch macht trotzdem gute Laune. Nur in den warmen Gewächshäusern lässt sich die Winterdepression aufhalten. Wenn sich die Bäume draußen auch Ende März noch weigern auszuschlagen, gibt es nur eins: Ab in den Botanischen Garten!

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