Was machen wir heute? : Bei den Majestäten

Plümper

Der Rentner hängt durch. Dunkel und kalt ist’s, Regen von morgens bis abends. Und jetzt schon Dunkelheit. Also raus! Ins Bode-Museum! Die Frau kommt mit. „Mensch, das sind Türen“, sagt der Rentner, als er die hohe Eingangstür mit Mühe aufdrückt. Und plötzlich: Wärme, mildes Licht, eine riesige Halle. Da steht er, der berühmte Große Kurfürst, gewaltig und niederdrückend. Preußische Geschichte: Man hat ihn von der Schlossbrücke verschleppt, im Krieg in die Havel versenkt, schließlich vors Charlottenburger Schloss gestellt. Und jetzt hier? Wieso eigentlich? Ein Museumsmitarbeiter kann auch keine Auskunft geben. Warum es so leer sei? Es seien alles Touristen, Berliner kämen sowieso nicht her, trotz des freien Eintritts heute.

Hinein in die zweite Halle, eine Art Kirchenschiff. Werke aus der Renaissance: Grabplatten, Marienstatuen, Kruzifixe, eine schon fast mehr als liebliche Maria mit dem Kinde. Der dritte Raum ist eine geschwungene, doppelläufige Palasttreppe, darüber eine hohe Zentralkuppel. Und hier die Klimax preußischer Geschichte: eine Statue Friedrich II., auch er groß genannt. Und daneben Zieten – Zieten, der aus dem Busch kam und den großen Friedrich vor einer vielleicht endgültigen Niederlage rettete. Verwegen steht er da oben, gekreuzte Beine, ungewöhnlich für ein derartiges Standbild. Sein Schöpfer Schadow war ja ebenfalls nicht konventionell, sogar seine spätere Frau hat er entführt.

Und dann oben durch einige Räume, Überraschungen über Überraschungen: Eine reich gekleidete, gekreuzigte Frau. Eine Blasphemie, vermutet der Rentner. Aber es ist die Heilige Kümmernis, gekreuzigt von ihrem Vater, weil sie Christin geworden war. Seine Frau zeigt dem Rentner die vielen Adam- und Eva-Bildnisse aus Ton, Elfenbein, Holz und deren Reichtum an Mimik: eine listige Eva, dümmliches Verführtsein bei Adam.

Kurz vor zehn hinaus! Der Regen hat aufgehört – auch der im Gemüt.Plümper

Bode-Museum, Am Kupfergraben 1, Do 10 – 22 Uhr. Do ab 18 Uhr Eintritt frei (noch bis 1. Oktober, dann wird’s abgeschafft)

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