Kultur : Was machen wir heute?: Berge besteigen

Bernd Ulrich

Urlaub. Das sagt sich so leicht. Aber was ein Urlaub ist, wenn man drei mehr oder weniger kleine Kinder dabei hat, ist gar nicht so einfach zu definieren. Das fängt mit der Urlaubsplanung an. Früher, also ganz früher, da sind meine Frau und ich einfach irgendwann losgefahren, mit dem alten Kadett nach Spanien oder last minute nach Ägypten. Ha, wir hatten ja keine Ahnung, damals.

Heute muss man Jahre vor dem Urlaub anfangen zu planen. Immerhin fahren wir ja stets in der Hauptsaison, seit die Älteste in der Schule ist. Immer Hauptsaison - niemand, der das nicht selbst erlebt, weiß, was das bedeutet. Andererseits soll man sich nicht beklagen, diese Phase der Schul- und Hauptsaisonpflicht dauert ja bei unseren drei Kindern insgesamt nur schlappe zwanzig Jahre. Die vergehen doch wie im Fluge.

Apropos Flug. Besser ist es natürlich mit dem Auto, weil man da mehr Spiel- und Sportsachen von zu Hause mitnehmen kann. Also bin ich - diesmal allein mit den dreien - am ersten Feriensamstag Richtung Berchtesgaden gefahren. Um dem 14-Kilometer-Stau am Müchener Nordkreuz auszuweichen, bin ich schon hinter Nürnberg auf die Landstraße gefahren. Als wir durch ein kleines Dorf in Oberbayern fuhren, ging ein Jubeln und ein Hallo durch eine Gruppe junger Leute am Straßenrand. Als ich das Fenster runterkurbelte, hörten wir, was sie riefen: "Ein Berliner, ein Berliner." Wo waren wir hier, in Afrika?

Gegen Abend kamen wir in unserem Hotel an, genauer gesagt einem Kinderhotel, mit Kinderbetreuung, Reiten, Schwimmen und allem Pipapo. Ich hatte mir das so vorgestellt: Die Kinder werden schön betreut, während ich auf der Terrasse sitze, Zeitung lese, einen Krimi, mal sehen. Ich hatte wirklich keine Ahnung. Zum Beispiel vom Kinderclub. Eigentlich ist der Kinderclub ein Kindergarten, doch damit die Kinder das nicht merken, heißt er Club. Sie haben es natürlich doch gemerkt und vermutlich so etwas gedacht wie: Das soll jetzt Urlaub sein: Kindergarten? Außerdem hieß die erste Aktion in diesem Club - Backen mit Salzmehlteig. Die Kinder fanden das ein wenig weihnachtlich für diese Zeit. Jedenfalls waren immer maximal zwei Drittel der Kinder im Club, während das letzte Drittel auf meinem Schoß saß. Kinderhotel so, so.

Nach wenigen Tagen gab ich auf, strich den Gedanken ans Lesen und den Club und machte mit den Kleinen Ausflüge. In die Berge. Und da Dreijährige im Allgemeinen nicht gern auf Dreitausender steigen, sind wir immer mit der Seilbahn hochgefahren. Und, was waren sie? Sie waren begeistert. Wie Gemsen kletterten sie die letzten zweihundert Meter auf den Gipfel der Jänneralm, mir stockte und lachte das Herz. Seither haben die drei ein neues Hobby. Nur, wo steigt man in Berlin Berg? Wir werden es demnächst mal mit dem Teufelsberg probieren. Damit es ganz so ist wie im Urlaub, haben wir ein paar Flaschen Almdudler mitgebracht. Und morgen gehe ich ins Reisebüro, einen Urlaub buchen, in den Pyrenäen für das Jahr 2004. Aber kein Kinderhotel, diesmal.

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