Was machen wir heute? : Berlin vermissen

Till Hein

Sicherheit ist mir wichtig. Auch unterwegs. Für Afrika habe ich mir einen Brustbeutel gekauft, um Reisepass und Geld möglichst nah am Körper zu tragen. Er baumelt über dem Abdominalbereich und beult mein durchgeschwitztes „Schneinkönntetmawieda“-T-Shirt aus Kreuzberg eindrucksvoll aus. Nur Helmut Kohl ist dicker.

Neben mir schreitet Kollege R. über die Insel Ibo. Ein schlaksiger Zweimetermann aus Hessen, der sich mit einem schwarzen Regenschirm vor der glühenden Sonne schützt. Hin und wieder halten wir an, um Notizen zu machen. Die Einheimischen im Dorf lachen viel. Wahrscheinlich über uns. Meine Wampe juckt. Eine Sandflohgroßfamilie scheint sich in meinem Nabel eingenistet zu haben. Hätte ich bloß auf meinen Berliner Mitbewohner O. gehört! „Afrika?“, fragte der spöttisch, als er mich beim Packen beobachtete. „Die ganzen Tiere!“, versuchte ich O. mit meiner Begeisterung anzustecken. „Kannste Dir doch auch im Zoo angucken“. Keuchend schleppen R. und ich uns eine baufällige Treppe hinauf. Sie gehört zu einem Fort, das die Portugiesen einst errichteten, um die Insel vor Feinden zu schützen. Dabei gibt es hier weniger Tiere als in Berlin. Weder Kampfhunde noch Eisbären. Gerade mal ein paar Ziegen.

Doch wir sehen auch Großes in Mosambik: den türkisfarbenen Indischen Ozean. „Life!, life is life“, summe ich glücklich vor mich hin, als die Sonne feuerrot im Meer versinkt. „Na na nanana!“ Ein Hit der österreichischen Popgruppe Opus aus den 80er Jahren. Diese Jungs leben bis heute fürstlich von den Tantiemen. Vielleicht fällt mir ja auch mal so ein Lied ein? Dann könnte ich für immer sorglos hier im Wasser plantschen, Kokosnüsse futtern und mit den Fischern hinaus schippern, um Wale und Delfine zu beobachten. „Im Zoo angucken“, murmle ich und tippe mir an die Stirn, „O. hat keine Ahnung, was glücklich macht!“ Dann kriege ich Heimweh. Eigentlich bin ich ja erst eine Woche weg. Aber ich freu mich schon so auf Berlin! Till Hein

Kaffee am Meer, Bergmannstraße 95;

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