Was machen wir heute? : Berlin von oben bestaunen

Brigitte Grunert

Fast jedes Kind weiß, dass der Fernsehturm gleich neben dem Alexanderplatz steht. Doch er hat sogar eine richtige Adresse, nämlich Panoramastraße 1 a. Die Rentnerin wusste es nicht, überhaupt war ihr die Panoramastraße kein Begriff. Als ihr die Adresse neulich auffiel und sie das Straßenschild las, dachte sie zunächst, der Name habe mit dem faszinierenden Rundblick hoch auf dem Fernsehturm zu tun. Irrtum, die Panoramastraße gibt es schon seit 1882, so benannt nach dem Panorama der Schlacht bei Sedan, das dort in einem Rundbau zu besichtigen war, lange her.

Der Fernsehturm, erbaut 1965 bis 1969, sei „wie das Brandenburger Tor ein Symbol Gesamtberlins, populär selbst in eingefleischt antikommunistischen Kreisen“, liest man in einer Broschüre von 2004, klingt direkt nach DDR-Rhetorik. Klar, der 368 Meter hohe Fernsehturm, unübersehbar beinahe an jedem Punkt der Stadt, war einmal der Stolz Ost-Berlins. Erst sollte die Kugel in sozialistischem Rot strahlen, dann vergoldet werden, schließlich tat es auch Nirosta-Stahl. Die Baukosten kletterten ohnehin von 33 Millionen DDR-Mark auf ungefähr 130 Millionen. Ach, Baukosten entgleiten immer und überall.

Ein Anziehungspunkt ist er für Berliner wie Touristen und eben ein bisschen östlich, sieht man von 8,50 Euro Eintritt ab. In langen Schlangen warten die Menschen auf Einlass. Doch es lohnt sich. 40 Sekunden mit dem Fahrstuhl in 203 Meter Höhe und man ist überwältigt beim Rundgang an den Panoramafenstern der Kugel. Die Krönung aber ist das Telecafé. Bei klarem Wetter sieht man von den Müggelbergen bis zum Teufelsberg. Es ist so aufregend, dass die Rentnerin gar nicht schmeckte, was sie verzehrte. Auch daran dachte sie, dass zu Mauerzeiten der Westteil auf östlichen Stadtplänen ein weißer Fleck, aber hier oben die Orientierung grenzenlos war. Na ja, das ist auch schon wieder ziemlich lange her. Brigitte Grunert

Fernsehturm, November bis Februar 10 - 24 Uhr, März bis Oktober täglich 9 bis 24 Uhr.

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