Was machen wir heute? : Berlins Medizin bewundern

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Wenn ich als Kind in Basel mal wieder grün im Gesicht war, pilgerten wir zu Doktor Knöpfli. Der wusste immer Rat. Im Zweifelsfall ließ er mich „aaah!“ sagen, lobte meine „Erdbeerzunge“ und diagnostizierte: „klassisches Scharlach“. Aus seinem Mund klang das wie ein großes Kompliment.

Scharlach bekam ich dreimal, viele andere Kinderkrankheiten auch. Man muss seine Patienten eben nur richtig motivieren. Doktor Knöpfli war ein Meister seines Fachs, und es ist schade, dass ich ihn nicht nach Berlin mitnehmen konnte.

Hier gibt es zwar viel mehr Arztpraxen und Kliniken als in Basel, doch wenn man Gerüchten aus meiner alten Heimat glaubt, sind inzwischen fast alle Mediziner aus Deutschland in die Schweiz ausgewandert. Lange hielt ich das für übertrieben. Doch seit wir Nachwuchs erwarten, grüble ich: Sind wir in den Geburtskliniken dieser Stadt gut aufgehoben?

Ein Gerücht kam mir zu Ohren: In einem Berliner Krankenhaus soll einem Patienten einst das falsche Bein amputiert worden sein. Unser Baby wird schon kein Raucherbein haben, versuchte ich mich zu beruhigen. Überhaupt habe ich mir wohl zu viele Sorgen gemacht. Denn das medizinische Potenzial Berlins ist nicht zu überbieten, weiß ich seit Thomas Knuths Stadtführung. Für Schwangerschaftstests etwa griff man bis 1860 auf Frösche zurück, bis ein Berliner Arzt eine Alternative fand. „Auch die Kinder- und Jugendmedizin ist hier geboren worden“, schwärmte Knuth. Anschließend bewunderten wir im Anatomischen Museum Gallensteine, die wie Edelsteine aussehen, und lernten, dass in Berlin inzwischen sogar „Medizin für den Mars“ betrieben wird.

Fachkräftemangel hin oder her: Herr Knuth hat den Ruf der hiesigen Ärzteschaft rehabilitiert. Gut möglich, dass man ihn eines Tages den „Doktor Knöpfli unter den Stadtführern“ nennen wird. Till Hein

Nächster medizinhistorischer Stadtrundgang, So., 3. Oktober, 11 bis 13 Uhr; Tel. 3010 07 09; im Internet: www.berlinforbeginners.de/stadtfuehrungen

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