Was machen wir heute? : Bisky schreiben

Ariane Bemmer

Ich arbeite seit einiger Zeit an einem Brief, den ich Norbert Bisky schicken will. Darin stelle ich ihm eine Idee vor, die von mir ist, und mit der wir gemeinsam Geld machen können (ich überhaupt mal welches, und er noch ein bisschen mehr, ich kann nur hoffen, dass Geld ihn überhaupt noch interessiert).

Aber von Anfang an. Norbert Bisky ist ein Maler, dessen Bilder meistens groß sind und wirklich sehr bunt, abgebildet sind junge Menschen, die Sport treiben oder etwas Ungezogenes tun. Ich finde, groß und wirklich sehr bunt ist die Hauptsache. Sport ist auch gut, über das Ungezogene wäre zu reden. Denn mein Plan ist: Wir machen aus seinen Bildern Vorlagen für „Malen nach Zahlen“. Eine irre Sache. Jetzt so zu Weihnachten. Schon sehe ich die Menschen in die Läden laufen, sich eine 120 mal 200 Zentimeter große Leinwand kaufen, auf der nummerierte Flächen sind. Dazu gibt es Farben und Pinsel, und wenn man alles richtig macht, entsteht in eigener Arbeit ein eigentlich millionenschweres Gemälde, das man aufhängen oder verschenken kann.

Aber, sagte die Freundin, mit der ich im Haus am Waldsee durch eine Bisky-Ausstellung ging, aber was hat denn Bisky von der Idee? Außer eben einem bisschen mehr Geld? Und das war jetzt wirklich ein Problem. Was hat ein Maler davon – als Künstler, nicht als Kaufmann –, von Dilettantenhand kopiert an vielen Wohnzimmerwänden zu hängen? Schadet es nicht dem Ruf? Andererseits: Gibt es denn Goethes „Faust“ nur ein Mal? Steht er nicht millionenfach als Reclam-Heft in jedem Regal? Hat das Goethe geschadet?

Ich dachte nach. Blätterte durch einen Bisky-Katalog. Beim Bild „kein Vergleich“ war mir alles sonnenklar: Einen Bisky nachmalen statt ihn nur anzuschauen, dass wäre wie den Reclam-Goethe auch wirklich Zeile für Zeile, Reim für Reim durchzuackern. Das wäre Arbeit, Schweiß und Demut, und am Ende stünde große Freude.

Mal sehen. Ariane Bemmer

Norbert Bisky: „Ich war’s nicht“, bis 13. Januar im Haus am Waldsee (Argentinische Allee 30, Zehlendorf, tägl. 11 bis 18 Uhr)

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