Was machen wir heute? : Busfahrern ein Lächeln schenken

Lothar Heinke

So kurz vor Ultimo möchte ich mich mal bei fast allen Busfahrern dieser Stadt für die Flüche und Verwünschungen entschuldigen, die sich im Laufe des Jahres angesammelt haben. Du Idiot! hat meine Seele unzählige Male geschrien, wenn der Bus mit sechs sieben acht neun zehn Minuten Verspätung, ohne rot zu werden, dann doch noch um die Ecke bog. Miststück! schießt es mir durch den Kopf, wenn der Fahrer mal wieder schnöde losbraust, statt auf den spurtenden keuchenden hilflosen Rentner da draußen vor der Tür zu warten. Boofke! Armleuchter! grummelt es in meinem so anfällig wie sensiblen Großhirnlein, wenn ich dem Fahrer einen freundlichen „Guten Tag!“ entgegenschmettere, der aber nicht mal ein Zucken seiner rauchgeschwängerten Augenbrauen als Antwort zu bieten hat. Diese Ignoranz, diese Kundenfeindlichkeit, dieser Mangel an Herzensbildung – man hält es nicht aus.

Manchmal können sie auch richtig witzig sein, die Götter am Steuer. „Wo bleiben Sie denn?“, hab ich ihn letztens gefragt, als er endlich kam, und er antwortet: „Soll ick wejen Sie meine Flüjel ausfahrn und denn übern Verkehr drübawechfliejen?“ Bei einem anderen hab ich mich bedankt, weil er auf mich gewartet hatte. „Sie sind aber ein lieber Mensch!“, sprech ich frohgemut, und er fragt retour: „Könnten Sie das nicht auch mal meiner Frau sagen?“

Gestern hat sich vieles aufgeklärt, Verspätungen, Frust, schlechte Launen. Da hat mir einer an der Endstation sein Herz gezeigt. Von Fluktuation war die Rede, von verstopften Straßen, unmöglich geschalteten Ampeln, von Straßenbau und Dauerstau, der alle Pläne durcheinanderbringt, und von muffligen Menschen: Der freundliche Fahrer schildert, was er heute mit dem ersten Fahrgast erlebte: „Ich frage höflich nach seinem Fahrschein, und der sagt: ,Halts Maul, du Arsch.‘ Da hat man doch erst mal für zwei Touren genug, können Sie das nicht verstehen?“

Ja, kann ich. Vielleicht schenken wir ihm heute und morgen eine Kleinigkeit. Oder ein Lächeln. Das muss eine Weile vor- und einiges aushalten … Lothar Heinke

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