Was machen wir heute? : Darts werfen

Wie eine West-Berlinerin die Stadt erleben kann.

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Die Nachbarn auf der anderen Straßenseite haben seit Neuestem dieses Videoding, bei dem man so tut, als würde man Tennis, Golf oder Baseball spielen oder bowlen oder gegen jemanden boxen, aber in Wirklichkeit hopst und zappelt man nur vor dem Fernseher herum. Ich habe noch nicht erkennen können, welchen Sport sie üben, weil ein großer Ficus Benjamini im Weg steht, der sie aber – peinlich genug! – nicht daran hinderte, mich zu erkennen, wie ich zu ihnen herüberglotzte. Sie haben daraufhin den Vorhang zugezogen.

Auch ich hatte kurz und unter Fitnessgesichtspunkten darüber nachgedacht, dieses Videoding zu kaufen, aber erstens fürchte ich mich zunehmend vor technisch komplexen Geräten und ihrer Unbeherrschbarkeit, und dann las ich irgendwo, dass das alles auch gar nichts bringe. Ein Sport, der fitnessmäßig auch nicht viel bringt, ist ja der Dartsport. Außer Herumkriechen auf der Suche nach den Pfeilen ist mein Bewegungsaufwand beim Dart stets nahe null gewesen. Man steht an einer Linie, wippt ein paar Mal lässig im Knie, dann entlässt man den leichtgewichtigen Pfeil mit einer eleganten Bewegung aus der Hand – und Schluss.

Man kann den Dartsport sogar betreiben, indem man dazu Bier trinkt. Ich habe mal eine Dart-Meisterschaft in Wedding besucht, bei der fast alle Kombattanten angetrunken waren. Und ich kann die anregende Wirkung eines Schlückchens Hopfensaft auch nur bestätigen. Wie beim Billard steigert er auch beim Dart die entschlossene Zielgenauigkeit. Man darf natürlich keinen Tropfen zu viel trinken, sonst wird man leichtsinnig, rammt Löcher in den Billardfilz oder pfeffert die Dartpfeile aus Quatsch auf Muttern, die in der Küche Spiegeleier brät. Die von gegenüber haben wahrscheinlich auch gedacht, so ein Videowasauchimmerspiel könne durch ein paar Schlückchen Bier nur besser werden – jedenfalls steht seit gestern ein abgeknickter Ficus Benjamini auf ihrem Balkon. Ariane Bemmer

Dart spielen mit Whiskey-Probe: heute Abend im Mrs. Lovell, Gneisenaustraße 53 a, Kreuzberg.

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