Was machen wir heute? : Das Beste draus

Till Hein

Wenn es Gott wirklich gibt“, las ich neulich eine Anzeige in der U 7, „wieso liebt er dann ausgerechnet DICH?“ Eine aggressive Werbekampagne für das Christentum. Berlin ist eben ein raues Pflaster. Denkbar sind hier auch Plakate mit dem Schriftzug: „Genau das Richtige für Verlierertypen wie DICH: Gott“.

Die Berliner „Jesus Freaks“ werben weniger aggressiv um Jünger. „Wir handeln in Gottes Power und Reichtum!“, schreiben sie auf ihrer Website, und: „Obwohl viele mit Gott nix mehr anfangen können, wird Jesus die Rettung für viele sein und die Atmosphäre (nicht die CO2-Konzentration!) dieser Stadt verändern!“ Ärgerlich: Gegen den Treibhauseffekt scheint dieser Jesus kein Rezept zu haben.

Dabei wären wir Menschen doch so oft auf metaphysische Hilfe angewiesen! Dieses Wochenende etwa haben Freunde von mir in Pankow geheiratet. Ein Schritt, der großen Mut verlangt. Besonders, wenn die Braut aus Österreich stammt, genau wie meine Mutter. S. musste vor der Heirat daher eine „Ehefähigkeitsbescheinigung“ aus der Heimat vorlegen. Manche Ösis haben wohl kein Talent für diese Lebensform, und die will man in Wien vorher aussortieren.

Vor einiger Zeit hat sich ein anderes Paar aus meinem Freundeskreis in Berlin das Jawort gegeben. Kirchlich. Das Leitmotiv der Hochzeitspredigt lautete: „Man sieht sich immer zweimal.“ Für eine Ehe ist das eigentlich recht selten, finde ich. Aber gut. Immerhin besser als ein One-Night-Stand. Der Pfarrer zumindest hatte eine optimistische Ausstrahlung. Manche Priester machen einem ja ständig Angst vor der Hölle. Vielleicht haben T. und S. sich auch aus diesem Grund für eine standesamtliche Hochzeit entschieden. Kurz und schmerzlos. „Also“, sagte die Beamtin zum Schluss, „machen Sie das Beste daraus!“ Irgendwie fehlt einem so ganz ohne Spiritualität auch etwas. Till Hein

Die Bibel (ab 9,95 Euro) sowie „Zwiegespräche mit Gott“ (mit CD) von Ahne (13,90 Euro) gibt es in jeder Buchhandlung.

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