Was machen wir heute? : Das Perspektiv herausholen

PLÜMPER

Mann, das ist ja toll! schreit der Rentner. Der Künstlerfreund ist irritiert. So toll hat der Rentner Franz Krügers „Parade auf dem Opernplatz in Berlin" doch gar nicht gefunden. Die beiden haben lange über das riesige Bild (die „Parade" misst 2,50 mal 4 Meter) geredet. Der Rentner fand, das Bild falle auseinander: rechts die lebendige Gruppe von Berlinern, genrehafte Details, z.B. einen rennenden Mohren, links dagegen die Parade, so starr, so tot. Der Künstlerfreund hatte die Akribie und das malerische Können gerühmt, sein kleines Perspektiv herausgeholt und dem Rentner die Details vor Augen gerückt. Seltsam fotografisch sind die Portraits, gemalt in dem Jahr, als die Fotografie nach Berlin kam und Krüger das Geschäft verdarb.

Erst jetzt sieht der Künstlerfreund, was so toll ist: Auf einem Bildschirm ist eine große Fotografie der „Parade", auf der der Rentner mit der Maus die einzelnen Personen anklickt, dann erscheinen Namen und Biografien. Insgesamt hatte Friedrich Wilhelm III. 250 Personen ausgewählt. Und da sind sie, die preußische Berühmtheiten um 1839, z.B. der Architekt Langhans, der Gartenkünstler Lenné, Alexander von Humboldt, die Bildhauer Schadow und Rauch, Franz Krüger selbst.

Doch fürs Militärische, für die Parade selbst, interessiert sich kein Mensch. Und da ist der König selbst, überlebensgroß in Uniform und in Untersicht gemalt. Für den Rentner sieht er depressiv aus. Er hat sich nicht getäuscht: Krüger wiederholte einen Ausschnitt als Brustbild, im Hintergrund steht diesmal das Charlottenburger Mausoleum für die geliebte, vor 26 Jahren gestorbene Luise. Friedrich Wilhelms zweite Frau, die Fürstin Liegnitz, eine schöne Frau, malte Krüger hoch zu Ross im Charlottenburger Park. Über sie soll Friedrich Wilhelm III. gesagt haben: Eine Königin könne es nicht sein, und Luise bekomme er nicht wieder. PLÜMPER

Schloss Charlottenburg, bis 01. Juli 2007,

Di bis So 10 - 17 Uhr (*letzter Einlass)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben