Was machen wir heute? : Das Säckel schnüren

Stephan Wiehler

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat vor einiger Zeit mal eine Kampagne gestartet mit dem Titel „6000 Schritte“, um Deutschland auf die Beine zu bringen. 6000 Schritte täglich, das war die Botschaft, fördern die Gesundheit. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt für eine Neuauflage. Aus aktuellem Anlass könnte die Kampagne auch heißen: BVG – Berliner Volkssport Gehen.

6000 Schritte, damit kommt ein Durchschnittsmensch etwa 3,6 Kilometer weit. Das ist bei normaler Kondition in 40 Minuten zu schaffen. Viele Berliner kämen auf diese Weise ganz bequem an ihren Arbeitsplatz, und der nächste S-Bahnhof fast von jedem Punkt der Stadt. Frische Luft gibt es gratis dazu. Doch anstatt das kostenlose Fitness-Programm anzunehmen, zu dem uns die streikenden BVG-Beschäftigten freundlicherweise einladen, setzen sich die meisten lieber ins Auto und stehen im Stau. Oder sie quetschen sich in überfüllte S-Bahnen. Mit unabsehbaren gesundheitlichen Risiken.

Im Berufsverkehr auf den verstopften Straßen kann man zusehen, wie der Blutdruck steigt und sich unzählige Herzkranzgefäße verengen. Und nur ganz sportlichen Naturen kann man zur Hauptgrippezeit empfehlen, mit seinen Mitmenschen in den körperwarmen S-Bahn-Zügen auf Tuchfühlung zu gehen.

Das müssen Sie sich nicht antun. Andere Menschen freuen sich, dass sie laufen können. Nehmen Sie sich ein Beispiel an meiner jüngsten Tochter. Greta ist gerade ein Jahr alt geworden und hat zum Geburtstag ihre ersten Laufschuhe geschenkt bekommen. Und wie das Kind läuft! Es freut sich über jeden Schritt. Bedanken Sie sich für den BVG-Streik! Stehen Sie früher auf, schnüren Sie Ihr Säckel und gehen Sie zu Fuß! Genießen Sie es, mit einem dieser alten Wanderlieder auf den Lippen. Im Frühtau zum Werke wir zieh’n, fallera! Stephan Wiehler

Bestreiken Sie den motorisierten Verkehr und treten Sie der GDL bei – der Gewerkschaft der Laufenden.

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