Was machen wir heute? : Dem Schwabenrat folgen

Britta Wauer

Vor vier Jahren habe ich meine Herzensfreundin an die Provinz verloren. Sie ist der Liebe wegen nach Süddeutschland gezogen, in eine Kleinstadt, deren nächstgelegener Flughafen „Memmingen“ heißt. Obwohl sie vom Leben in unserer Weltstadt abgeschnitten ist, überrascht sie mich immer wieder mit Ausgehtipps, Restaurantempfehlungen und Hinweisen auf neu eröffnete Läden in Berlin, als würde sie hier jeden Tag mit viel Zeit und offenen Augen herumspazieren. Wenn ich sie nach ihrer Informationsquelle frage, lacht sie, behauptet, rein zufällig auf dem Weg vom Flughafen an diesem oder jenem Laden vorbeigekommen zu sein. Aber ich vermute so etwas wie einen schwäbischen Nachrichtendienst, der Berlinreisende vor ihrer Abfahrt mit einem kleinen Hauptstadt-Update versorgt.

Jedenfalls hatte meine Freundin trotz zahlreicher Geschäftstermine, der Berlinale-Eröffnung und privater Treffen auch schon einen chinesischen Massagesalon besucht, als ich sie endlich zu Gesicht bekam. Sie sah umwerfend aus und schwärmte von reizenden Asiatinnen, die ihr am Nachmittag den Kopf massiert und die Füße gebadet hatten – in einem Blumenbad. Der Laden in der Kantstraße sei spartanisch eingerichtet, überhaupt nicht prätentiös, aber toll – „irgendwie New York“.

In New York hatte sie mal ein paar Jahre gelebt. Wenn man danach in eine schwäbische Kleinstadt zieht, ist womöglich vieles in Berlin „irgendwie New York“. Aber ich muss zugeben, dass der kleine Fußreflexzonen- und Körpermassageladen „Sun“ auch mein Herz eroberte. Denn die Hände des Meisters aus Schanghai sind gleichermaßen zart wie zupackend, es gibt kostenlosen Blütentee und ansonsten bezahlbare Preise: die einstündige Ganzkörpermassage kostet 29,90 Euro, den Kopf kann man sich für 9,90 Euro massieren lassen. Kein Wunder, dass darüber sogar die Schwaben ins Schwärmen geraten. Britta Wauer

Sun-Massagestudio, Kantstr. 142, täglich 10 bis 22 Uhr, Telefon 31 80 77 38.

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