Was machen wir heute? : Den Himmel teilen

Eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der deutschen Teilung, das klingt nach dem Rezept dieser Sat-1-Event-Filme. Aber es ging auch mal anders.

Jochen Schmidt

BerlinKonrad Wolfs Verfilmung von Christa Wolfs „Der geteilte Himmel“ ist ein Meisterwerk. Wie man unter dem politischen Druck in diesem Land so eine formale Eigenständigkeit entwickeln konnte, bleibt ein Rätsel, aber man kann sich ausmalen, was es den Künstler an Kraft gekostet hat.

Seit es den Osten nicht mehr gibt, rückt die Geschichte immer mehr ins Märchenhafte. „Der Mensch ist nicht dazu gemacht, Sozialist zu sein. Zwingt man ihn dazu, macht er groteske Verrenkungen, bis er wieder da ist, wo er hingehört, an der fettesten Krippe.“ Das sagt Manfred, der abgeschlossen hatte mit dem privaten Glück, sich in die Wissenschaft zurückziehen will und den Rita mit ihrer Lebensfreude wieder auftaut. Der brillante junge Mann, den die Funktionäre vergraulen und der am Ende im Wald lebt und Lampenschirme bastelt: ein Topos des Defa-Films. Hier geht er in den Westen, weil seine neue Maschine nicht gebaut wird. Rita besucht ihn in West-Berlin: „Alles wäre leicht, wenn sie dort als Kannibalen auf der Straße herumliefen. Aber sie fühlen sich ja wohl. Sie bemitleiden uns ja. Sie denken: Das muss doch jeder auf den ersten Blick sehen, wer in diesem Land reicher und wer ärmer ist.“ Die jungen Helden des Buchs sind auf eine so rührende Art ernst und reif, dass man sich ein bisschen nach ihnen sehnt. Was sie wohl heute machen? Sie müssten ja noch leben.

Eine Zeit, in der man mit 25 schon eine Brigade leitete, in der es hieß: „Ein Lehrer muss heute einen Großbetrieb kennen.“ Hat es das wirklich so gegeben? Jede Lebensentscheidung von gesellschaftlicher Bedeutung? Heute trennt man sich nicht mehr, weil eine Mauer gebaut wird. Heute ist man selber schuld. Das macht es nicht unbedingt einfacher. Jochen Schmidt

„Der geteilte Himmel“, 9.10., 20 Uhr, Zeughauskino, im Rahmen der Filmreihe „Deutscher Film im Kalten Krieg“. www.dhm.de/kino

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