Was machen wir heute? : Den Kreuzberg besteigen

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Im Sommer herrscht buntes Treiben im Viktoriapark, im Winter ist bloß die Graffitikleckerei bunt. Bis zum Gipfel des Kreuzbergs mit dem Denkmal zur Erinnerung an die Befreiungskriege sind es 66 Meter. Noch sind die Bäume kahl, da hat man von oben einen weiten Blick auf die Stadt. Unten liegt schnurgerade wie mit dem Lineal gezogen die Großbeerenstraße, preußische Akkuratesse.

Wer denkt schon beim Kreuzberg an ein aufregendes Kapitel preußischer Geschichte, an Reformen und die Befreiung von napoleonischer Macht? Doch hier heißen die Straßen nach Schlachten wie die Großgörschen-, Großbeeren- oder Katzbachstraße und nach Generälen wie Yorck und Gneisenau. Wer denkt daran, dass der Berg und auch der schräge Stadtteil seinen Namen dem Eisernen Kreuz verdanken? Friedrich Wilhelm III. stiftete ja den Orden für Soldaten aller Stände, die sich in den Befreiungskriegen auszeichneten, datiert auf den 10. März 1813, den Geburtstag der Königin Luise.

Der Tempelhofer Berg war es, auf dem das Denkmal errichtet wurde. Erst nach der Einweihung 1821 wurde der Kreuzberg daraus, denn das Eiserne Kreuz krönt das neogotische Monument des Baumeisters  Schinkel, kreuzförmig ist der Grundriss. Von Weitem sieht es aus wie eine Festung. 1878 hat man das Nationaldenkmal durch einen mächtigen Unterbau angehoben. Es sollte trotz der Bebauung der Umgebung weithin sichtbar bleiben. Das Monument wirkt filigran, obwohl es aus Gusseisen ist. Bedeutende Künstler der Schinkel-Zeit gestalteten die klasssizistischen Figuren. Sie symbolisieren Schlachten der Befreiungskriege, Angehörige des Königshauses und der Generalität. Patriotisch die Inschrift: „Der König dem Volk, das auf seinen Ruf hochherzig Gut und Blut dem Vaterlande darbrachte. Den Gefallenen zum Gedächtnis, den Lebenden zur Anerkennung, den künftigen Geschlechtern zur Nacheiferung.“ Von der Sehnsucht nach nationaler Einheit steht da nichts. Ach, es war schon die Zeit der Restauration. Brigitte Grunert

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