Was machen wir heute? : Den Marathon überleben

Heike Jahberg

Fragt man die Eltern von schulpflichtigen Kindern, welche Tage die stressigsten sind, kommen in etwa folgende Antworten: Geburtstagsfeier, Weihnachten und – je nach Noten – der Tag der Zeugnisausgabe. Für Väter und Mütter von sportbegeisterten Töchtern oder Söhnen kommt noch ein weiteres Datum hinzu: der Mini-Marathon, der schlimmste Termin von allen.

Nicht weil sich 10 000 Kinder am Start drängeln, nicht weil die Schülerinnen und Schüler bereits Wochen vorher bei Wind und Wetter um die Krumme Lanke oder den Schlachtensee gejoggt sind, um sich für die gut vier Kilometer lange Strecke fit zu machen. Nein, das dicke Ende kommt am Schluss. Dann, wenn verzweifelte Eltern versuchen, ihre Kleinen am Ziel in Empfang zu nehmen und ihnen das nicht gelingt.

Drei Mal haben wir das bereits erlebt. Zwei Mal ist unser Junge gelaufen, beim letzten Mal war es unser Mädchen. Unsere Erfahrungen waren immer gleich – ein Desaster. Der Grund: Nach dem Zieleinlauf werden die Kinder zunächst abgeschirmt. Zäune verhindern, dass die Eltern in den Zielbereich drängen. Sie verhindern aber auch, dass sich die Flut der Menschen verteilt. Und so kommt es alljährlich zu einem Hauen und Stechen. Auf der einen Seite schieben sich die Eltern „Unter den Linden“ entlang in Richtung Goldelse, um ans Ende des Zielkorridors zu kommen. Auf der Gegenseite drängeln die Läufer, die aus dem Zielbereich kommen, zum Brandenburger Tor. Der Pfad, auf dem die Ströme aufeinander prallen, ist gut drei Meter breit. Radfahrer bilden zusätzliche Blockaden.

Ich habe Eltern gesehen, die einem Nervenzusammenbruch nahe waren. Kleine Geschwister in Gefahr, überrannt zu werden. Lehrer am Rand der Hysterie, die sich ruppigst Durchlass verschafft haben – und jede Menge verstörte Kinder.

Nächstes Jahr ist wieder Marathon. Dann werden die Schüler wieder laufen. Und die Eltern werden beten, dass alle gesund zu Hause ankommen. Heike Jahberg

Der nächste Mini-Marathon findet wahrscheinlich am 19. September 2009 statt

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