Was machen wir heute? : Den Meister besuchen

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Meine Tochter und ich, wir haben unseren Meister gefunden. Auf ihn ist Verlass, noch nie hat er uns im Stich gelassen. Dabei ist er kein abgehobenes Idol, sondern eher ein guter Freund. Er hilft Charlotte und mir im Alltag und ist bei besonderen Gelegenheiten unterstützend zur Stelle. Wenn Freunde lobende Worte finden, dann sagen wir oft nur „Jamie!“ und meinen Jamie Oliver, den britischen Trendkoch.

Es soll ja Menschen geben, die von der multimedialen Dauerpräsenz genervt sind, und hämisch kommentieren, wie er bei seinem Kampf um gesundes Essen in britischen Schulen oder amerikanischen Kleinstädten Rückschläge einstecken muss. Wir aber lieben seine Kochbücher, die von einer Begeisterung für Essen und gute Nahrungsmittel künden. Vor allem lieben wir die Rezepte. Die klappen immer. Das ist sonst beileibe nicht die Regel. Ohne Jamie – und die Spülmaschine – würden wir uns schwerer tun, Freunde zum Essen einzuladen. So sind wir völlig gelassen.

Bei einem Kurzurlaub in London haben wir uns jetzt einen Besuch in einem seiner Restaurants geleistet. Wir waren im „Fifteen“, in dem sozial benachteiligte Jugendliche eine Ausbildung erhalten können. Charlotte wollte unbedingt hin; bei einigen ihrer Freunde ist nicht nur Fast Food, sondern auch Jamie Oliver angesagt. Und wie war’s? Der Meister, vielmehr die Küchenbrigade des Fifteen, kocht auch nur mit Wasser. Das meine ich aber überhaupt nicht negativ. Die Dinge, die auf den Tisch kommen, schmecken richtig gut, aber auch so, dass wir sie nachkochen könnten. Ohne extravagantes Chichi. Die Kellner und Kellnerinnen sind entzückend, das Ambiente cool, nur der Geräuschpegel ist für meinen Mann und mich ein wenig hoch. Aber die Gäste sind ohnehin durchschnittlich 20 Jahre jünger als wir, da passt das schon.

Jetzt fehlt nur noch, dass Jamie endlich in Berlin ein Lokal aufmacht. Angekündigt hat er das bereits. Bis es so weit ist, müssen wir eben weiter selber kochen. Sigrid Kneist

Jamie Olivers neues Kochbuch erscheint demnächst. Jamies 30 Minuten Menüs. Genial geplant – blitzschnell gekocht. 24,95 Euro.

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