Was machen wir heute? : Den Montag lieben lernen

Susanne Kippenberger

Gut, dass heute Dienstag ist. Da haben wir den Montag heil überstanden. Der Montag ist ja ein ganz merkwürdiger Tag. Wahrscheinlich heißt er deshalb auch Mond-Tag: weil man da besser im Bett bleiben sollte. Am Montag wird das Montagsauto produziert, am Montag passieren besonders viele Arbeitsunfälle, am Montag sollte man nicht essen gehen: Da gibt’s immer nur den Kuchen von gestern und den Fisch von vorvorgestern. Am Montag macht man gerne blau.

Neulich hatte ich eine Darmuntersuchung, von der alle meinten, dass sie ganz harmlos sei, „spürste gar nix“. Von wegen. Tagelang lag ich flach. „Ist doch klar, meinte Kollegin W. hinterher. Nie würde sie sich am Montag einen Arzttermin geben lassen. „Am Montag geht immer was schief.“

Kurz danach war ich in Maastricht, eigentlich eine schöne Stadt. Nur am Montagmorgen nicht. Trübe schlichen ein paar einsame Gestalten durch die Gassen, die meisten Geschäfte hatten zu, die Museen sowieso, überall wurde aufgeräumt. Katerstimmung.

Man kann natürlich sagen, da kann der Montag ja nichts für, der Sonntag ist der Schuldige. Aber den will man nun auch nicht gleich abschaffen. Also heißt es: positiv denken, in die Offensive gehen. Einige Kinos versuchen die Berliner mit dem „Blauen Montag“ aus ihren Löchern zu locken, der ist noch günstiger als der Kinotag. Das Guggenheim Berlin hat den Montag zum Tag der offenen Türen erklärt: Das Museum hat geöffnet, der Eintritt ist frei, durch die Ausstellung laufen junge Kunsthistoriker, auf deren T-Shirts „I like Mondays“ steht, und erzählen Ihnen was.

Doch, doch, selbst am Montag kann man geistreich sein. Das hat auch der Künstler Tomas Schmit bewiesen. „Dreizehn Montagsgespräche“ heißt der gerade im Wiens-Verlag erschienene anregende Interviewband. Die Ausstellung dazu hat zwar montags geschlossen, aber da kann man sich ja zu Hause mit dem Buch trösten. Susanne Kippenberger

Deutsche Guggenheim, Unter den Linden 13/15, Mo. 10–20 Uhr. Tomas Schmit bei Barbara Wien, Linienstraße 158, bis 20. August.

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