Kultur : Was machen wir heute?: Den richtigen Verein finden

Andreas Austilat

Sport ist gesund und schult den Charakter. Heißt es. Vor allem Mannschaftssport. Immerhin muss sich der Junge in einer Gruppe beweisen. Das schadet nie. Ich wusste allerdings nicht, wie hart der Wettbewerb wirklich ist.

Zunächst haben wir es mit Fußball versucht. der erste Klub war voll, der zweite suchte für seine Siebenjährigen nur noch einen Mittelstürmer mit Torgarantie, so einen richtigen Brecher, der dritte hatte einen Trainer, der unserem Sohn Angst machte, weil er das nicht kannte, dass jemand nur durch die Trillerpfeife zu ihm spricht. Der vierte machte alle halbe Jahre eine so genannte Sichtung. Da müssen die Kleinen dann vor einem Auswahlgremium alter Sportskanonen um ihren Platz im Team kämpfen. Das fanden wir ein wenig verfrüht. Und außerdem fühlten wir uns am Spielfeldrand auch nicht so wohl, zwischen all den anderen Eltern, die ihre Kinder im Kampf um die Plätze lautstark anfeuerten ("hau den doch um, die Pfeife").

Wir haben uns dann vor drei Jahren für Hockey entschieden und diesen Schritt erst einmal nicht bereut. Die Jungs durften sogar verlieren und trotzdem beim nächsten Mal wieder mitspielen. Leider habe ich nicht gleich bemerkt, dass es da auch nicht bloß um den Spaß an der Freude geht. Der Sohn hat den Schritt in die erste Auswahl verpasst. Ist vielleicht ein bisschen meine Schuld, ich hätte viel stärker auf den Trainer einwirken müssen, damit der den Jungen öfter einwechselt.

Jedenfalls blieb das nicht ohne Folgen. Das Team der weniger Erfolgreichen wurde groß und größer, deren Trainigszeiten kurz und kürzer. Der Klub ist nämlich ein sehr ambitionierter Bundesligist. Und weil er erstens stolz darauf ist und das zweitens auch bleiben will, wird er seine knapper werdenden Ressourcen wohl oder übel in die erste Wahl investieren müssen. Vielleicht kriegt er für die ja später mal Ablösegelder. Leider sind für den unsrigen die Beiträge trotz der kürzeren Trainingszeiten auf dem holperigen Nebenplatz nicht gesunken. Und das, obwohl die Eltern selbst zuweilen die Spielbetreuung übernehmen mussten.

Warum ich das jetzt alles erzähle? Nun, vielleicht sind Sie neu in Berlin, vielleicht kommt ihr Kind jetzt ins richtige Sportalter, vielleicht wollen Sie einem Verein beitreten? Da gilt es, verschiedene Dinge zu beachten. Denn Kirch ist bekanntlich pleite und die Stadt auch, Sponsoren sind rar und Bundesliga ist teuer. Gut möglich, dass Sie das über kurz oder lang an ihrem Mitgliedsbeitrag merken. Irgendjemand muss die Last ja tragen, wenn die Großen auswärts antreten sollen.

Der Junge spielt jetzt übrigens bei einem Klub, der nicht in der Bundesliga vertreten ist. Vielleicht ist der deshalb noch ein bisschen günstiger. Er spielt dort gern und wie ich finde ziemlich gut. Gestern erst, da hat ihn der Trainer gelobt. Ein paar Mal. Wie der Klub heißt? Ach wissen Sie, das müssen Sie verstehen, so viele Plätze sind auch nicht mehr frei. Und nachher fängt wieder alles von

vorne an.

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