Was machen wir heute? : Den Thunfisch retten

Ariane Bemmer

Dass es nicht leicht ist, die Welt oder wenigstens Teile davon retten zu wollen, steht kaum außer Frage. Und manchmal ist es auch peinlich, das musste ich neulich erfahren. Ich hatte das dürftige Vergnügen, den Teenager-Sohn einer Bekannten abends zu beaufsichtigen. Der Junge ist mir ein wenig unheimlich, er ist groß und sehr kräftig und dazu besorgniserregend ungelenk, so dass ich in dauernder Sorge bin, er könnte mich aus Versehen erschlagen.

Für den Abend stand das Programm schnell fest. Es gab irgendeinen vollkommen hirnlosen Actionfilm im Fernsehen, den er sehen wollte. Mir war es recht. Vorher sollte es ein Abendbrot geben. Er schlug vor, eine Pizza aufzutauen, auch das war mir recht – aber nur, bis ich die Geschmacksrichtung sah: Es war Thunfisch. Thunfisch essen, das hatte ich mir mal sagen lassen, ist wie Menschenaffenfleisch essen: eine Sauerei. Thunfische sind vom Aussterben bedroht, bald gibt es keine mehr. Dann wird der Mensch sie zu Tode gehetzt haben für Sushi-Happen und Pizzageschmacksnoten. Für ein vorm Fernseher achtlos reingestopftes Abendessen. Dieser Wahnsinn musste gestoppt werden. Gleich jetzt.

Der Teenie da, machte ich mir Mut, ist der Konsument von morgen. Der gehört aufgerüttelt. Ich redete auf ihn ein, sprach über die Macht des wissenden Konsumenten, den dringenden Kampf um eine bessere Welt. Ja, ich zitierte sogar „Die Ärzte“. „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist“, sang ich ergriffen und spielte Luftgitarre, „es ist nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.“ Je länger ich agitierte, desto dringender fand ich, dass eine Reaktion von dem Teenager kommen müsse. Aber nix. Ich verstummte erschöpft. Der Junge sagte: „Aber der Fisch hier ist ja nun schon tot.“ Dann fing der Film an. Bevor der Junge später ins Bett ging, rief ich ihm meine Botschaft in Erinnerung: „Was sollst du nie wieder essen?“ „Sprotten?“ fragte er. Ariane Bemmer

Korrekten Fisch angelt man sich am besten selbst. Wo und wie das in Berlin geht, weiß das Internet unter www.berlin.de/sen/umwelt/fischerei/angelfischen/

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