Was machen wir heute? : Der Hitze entfliehen

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Was machen Renter bei so einer Hitze, wie überleben sie, wenn sie nicht längst schon verbrannt sind? Wie war das früher? Das sind die drängenden Fragen der Gegenwart bei gefühlten 58 Grad, in kurzen Hosen, ohne Stützstrümpfe, das Nitrospray griffbereit für Attacken aller Art.

Natürlich war alles anders. Ab und zu hat’s wenigstens mal geregnet, wir haben uns über die flirrende Hitze gefreut, weil: Herr, der Sommer war sehr groß, die Schwalben tobten voller Lust durch die Bläue, man genoss die Kühle des Waldes, steckte die Füße in ein rauschendes Bächlein oder in einen Eimer unterm Schreibtisch. Das sind so Erinnerungsfetzen, die Gegenwart ist natürlich viel näher. Aber immer raschelt ein Wetterfrosch in seinen Papieren und weist uns nach, dass es an irgendeinem 16. Juli schon mal ein Hundertstelgrad heißer war. Die Bestätigung quillt aus den Agenturen: Der heißeste Tag seit Beginn der Aufzeichnungen war mit 37,8 Grad der 11. Juli 1959. Na bitte. Alles schon mal dagewesen. In der Backstube vom Schrippenladen herrschen das ganze Jahr über solche Temperaturen. Schornsteinfeger müssen auch einiges aushalten. Die Bauarbeiter, denen keiner ein kaltes Lutscheis an den Arbeitsplatz bringt. Oder die Busfahrer. Die schwitzen alle von Berufs wegen, wir fühlen mit ihnen und beneiden den Pastor, wenn er sonntags in die kalte Kirche kommt und erklärt, was sich der liebe Gott bei dieser Hitzeplage gedacht hat.

Tagestipp? Also, da kann ich nur raten: Eilen Sie in ein klimatisiertes Kino, möglichst am Nachmittag. Wir haben das im Cinemaxx am Potsdamer Platz probiert. Wunderbar! Studio-Kino 15, bequeme Sessel, beste Temperatur, super Film. Mahler auf der Couch vom Dr. Freud. Nicht Alma liegt dort, die Schöne, Verführerische, sondern Gustav, der Komponist, dem die Ehe etwas durcheinandergeraten ist. Viel Seele und Musik, dazu die lockende Bergwelt: Cool wie Eis ist das. Und wie ein Prosecco dazu. Lothar Heinke

„Mahler auf der Couch“ von Percy Adlon und Sohn, in div. Berliner Kinos.

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