Was machen wir heute? : Die Audrey-Hepburn-Marke suchen

Wie ein Vater die Stadt erleben kann

Andreas Austilat

Meine Mutter ist ein wenig besorgt. Es geht um ihre Briefmarkensammlung. Wer soll sich um die eines Tages mal kümmern, wer hat da schon noch einen Sinn für die kleinen, bunten Wertzeichen, die einmal für die große weite Welt standen? Nun, das ist doch eine Frage der richtigen Vermittlung.

Neulich zum Beispiel, da habe ich meiner Tochter erzählt, dass es eine Audrey-Hepburn-Briefmarke gibt. „Wirklich?“, hat sie gefragt und mich dabei durch ihre riesige Schmetterlingssonnenbrille, angeschaut, so ein Holly-Golightly-Modell aus „Frühstück bei Tiffany“, die hat sie sich neulich erst gekauft. Mein Mädchen ist ein großer Audrey-Hepburn-Fan. Doch, doch, habe ich ihr erzählt, die letzte wurde vor dreieinhalb Jahren versteigert, für 135.000 Euro. „Neiiin“, hat sie gesagt und die Brille hochgeschoben. 135.000 Euro, dafür kriegt man schon eine Menge Ballerinas, die trägt meine Tochter am liebsten, ganz wie Audrey Hepburn.

Tatsächlich ist die Hepburn-Marke eine der wertvollsten modernen Briefmarken überhaupt, es sind bisher nur fünf Exemplare bekannt, weniger als von der Blauen Mauritius. Die Marken kamen 2001 versehentlich in Umlauf. Die Hepburn-Söhne lehnten eine Veröffentlichung ab, weil ihre Mutter auf der Marke raucht. Das wollten sie nicht, da musste die Post sie zurückziehen.

Drei Marken befinden sich in Sammlerbesitz, eine vierte wird am 9. Mai in Düsseldorf, die fünfte am 25. Mai in Berlin versteigert. Der glückliche bisherige Besitzer hatte sie übrigens als sogenannte Kiloware in einer großen Tüte gekauft. Interessant ist, dass vier der fünf in Berlin und Umgebung abgestempelt wurden, bei der fünften ist der Stempel nicht zu entziffern, er endet auf „...dorf“. Noch interessanter ist, dass 2001 zwar 14 Millionen Marken vernichtet wurden, drei Zehner-Bögen aber bis heute verschollen sind.

Im U-Bahnhof Hauptbahnhof wird bis 10. Mai eine Audrey-Hepburn-Ausstellung gezeigt. Die Hepburn-Briefmarke versteigert das Auktionshaus Schlegel vom 25. bis zum 27. Mai im Hotel Kempinski. Mindestgebot: 30.000 Euro.

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