Was machen wir heute? : Die Badehose anlassen

Wie ein Neuberliner die Stadt erleben kann - nackt baden.

Till Hein

Ossis ziehen sich ständig aus“, hatte man mich gewarnt, ein „Erbe aus DDR-Zeiten“. Die Freikörperkultur sei „ein Ventil gewesen, um sich auf sehr elementare Weise frei zu fühlen“. Die Tradition lebe im Osten bis heute fort.

In Wirklichkeit ist das ein Klischee. In Brandenburg entblößen sich gar nicht alle rund um die Uhr. Am Heiligen See bei Potsdam zum Beispiel baden Nackte und Nichtnackte in friedlicher Koexistenz. Die Kombi: alter, nackter Mann mit eleganter Kopfbedeckung neben junger Frau im Badeanzug und ohne Hut ist auf den Liegewiesen der Klassiker. Andersrum wäre fürs Auge schöner – aber dieser Eindruck drängt sich in Berlin und Umgebung ja häufig auf.

Am Heiligen See lassen sich interessante Gespräche belauschen. „Den da drüben kenn ich“, flüstert eine Frau im Bikini aufgeregt. „Aber er hat nichts an. Soll ich ihn trotzdem begrüßen?“ Ihr Bekannter zuckt hilflos mit den Schultern. Ob sie Wessis sind? Oder Basler?

Was öffentliche Nacktheit betrifft, sind wir in meiner alten Basler Heimat traditionell eher schüchtern. Super, wenn andere entspannter sind. Der Reiseveranstalter „Ossi Urlaub“ bot im vergangenen Sommer Nackt-Flüge nach Usedom an. Die Resonanz war groß, aber im letzten Moment machte die Airline einen Rückzieher. Ossi Urlaub plant jetzt FKK- Trips mit anderen Verkehrsmitteln. Denn: „Auch im Westen gibt es mittlerweile einen Markt für solche Angebote.

Wahrscheinlich stimmt das. „Bei uns in den Alpen wandern immer mehr Leute nackt“, erzählt mein Basler Freund A. Bizarr: Kaum zieht man weg, beginnen sich in der alten Heimat die Menschen auszuziehen. Die Behörden wissen sich nur noch mit Verboten zu helfen. Im Kanton Appenzell Innerrhoden kostet Nacktwandern 200 Schweizer Franken Strafe. Manche schreckt selbst das nicht ab.

Wir lernen: Zumindest was FKK betrifft, hat sich die DDR offensichtlich gegen den Westen durchgesetzt.

Elegante Kopfbedeckungen, nicht nur für den Nacktbadestrand: Kranemann-Hüte, Schönhauser Allee 85, Telefon 445 94 86.

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