Was machen wir heute? : Die Deutschen bewundern

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In über 300 Schauspielhäusern wird Theater gespielt, wir haben 80 öffentlich finanzierte musikalische Bühnen, 130 Berufsorchester fiedeln, jährlich kommen sagenhafte 95 000 Bücher auf den Markt: Meine Güte, ist das ein blühendes Kulturland. Zehn Literaturnobelpreise wurden deutschen Menschen zuerkannt, und im Kölner Dom feierten sie anno 1880 doch noch die Einweihung, nach 600 Jahren Bauzeit, hartnäckig und arbeitsam. Wer die Ausstellung „Deutschland für Anfänger“ besucht, könnte ganz stolz werden: Ach, sind wir gut. Aber manchmal auch nicht. Jedenfalls nicht immer.

Die Entdeckungsreise führt uns von A bis Z. Jeder Buchstabe steht für ein Thema, also A wie Arbeit, B wie Brauchtum, C wie Currywurst (eine Berliner Erfindung mit Patent!), L für Loreley, T für Tagesschau oder Z für Zukunft. Dazu gibt es Zahlen, Fotos, Bilder, Erklärungen im Originalton, eine Quizfrage reiht sich an die nächste, die Auflösungen werden gleich mitgeliefert. Das alles kommt spielerisch mit einem Augenzwinkern daher, wie man schon am Eingang ahnt, wo gewaltige Gartenzwerge die Schau bewachen, weil dieser 1872 in Thüringen erfundene Typ mit Zipfelmütze zwar zum Inbegriff des Spießertums geworden ist, aber auch das Bedürfnis nach Ordnung und heiler Welt erfüllt: 25 Millionen Stück sollen in Deutschlands Gärten herumstehen. Wir hören acht regionale Dialekte, die Erklärtexte sind in Deutsch, Englisch und Türkisch, Kültür heißt übrigens Kultur.

Die Ausstellung hat besten Zulauf inmitten der Touristenmeile, hier wurden früher DDR-Künstler und zuletzt Peugeot-Autos präsentiert. In diesem Willy-Brandt-Forum gegenüber der Russischen Botschaft wird bald in einer ständigen Ausstellung des einstigen Bundeskanzlers gedacht, Briefe, Fotos und Redemanuskripte der SPD-Ikone sind schon zu sehen, auch die Medaille des Nobelpreisträgers und sein Rücktrittsgesuch vom Amt des Kanzlers. Lothar Heinke

Unter den Linden 62–68, Di. bis So. 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei.

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