Kultur : Was machen wir heute?: Die härtere Schiene hören

Christine Lang

Haben Sie Lust, sich auf abenteuerliche Club-Suche zu begeben? Mit nur einem vagen Hinweis ausgerüstet haben wir letztes Wochenende einen Kellerclub entdeckt, der in einer Art Tradition der nicht ganz legalen Wochentags-Bars in Berlin Mitte steht: den Kinzo Club. Es gibt keine Flyer, sondern nur Mundpropaganda, es ist immer total voll und die Drinks sind günstig.

Da gab es lange die Dienstagsbar in der Bergmannstraße oder die Freitagsbar in der Rosenthaler Straße. Der Kinzo Club hat, soweit ich weiß, am Wochenende offen. Er ist in einem Backsteinkeller und die Deko dort ist pures Understatement: Erst nach einem zufälligen Blick in ein Loch in der Wand, das sich als meterlanger, horizontaler Schacht entpuppt, entdeckt man ganz am Ende eine beleuchtete Discokugel. Man kann im Kinzo Club entweder die ganze Nacht zu funkigem House tanzen (woher kriegen die bloß die Frischluft?) oder sich zum Beispiel am morgigen Samstag eingrooven auf eine lange Tanznacht zu Funk der härteren Schiene: Detroit Techno.

Detroit Techno scheint für ungeübte Ohren erst einmal nicht viel mit Funk zu tun zu haben, denn es handelt sich, wie es der Name bereits sagt, um eine Art Techno. Das liegt am Tempo, das sich so zwischen 130 und 160 Beats per Minute bewegt. Um sich das richtig vorstellen zu können: tippen Sie doch innerhalb von 10 Sekunden einfach 25 mal auf den Tisch!

Detroit Techno ist ein direkter, gerader Sound mit einer antreibenden Basslinie. Mittlerweile ist Detroit Techno darüber hinaus eine Mischung aus schnellem House und Funk Samples. Es ist der

Sound einer Stadt, aus der der "Godfather des Electro Funk", George Clinton, kommt, und die außerdem den Namen "Motor City" trägt, als ehemalige Metropole der amerikanischen Automobilproduktion. Musik und Autos sind auch die Bestandteile der dortigen afro-amerikanischen Jugendkultur. Obwohl Detroit schon immer eine Stadt gewesen ist, die bahnbrechende Musik hervorbringt, gibt es so gut wie keine Clubs dort. So trifft man sich mit seinen Autos, mit bass-fähigen Boxen hoch gerüstet, um zusammen den Detroit Sound zu hören.

Letztens habe ich zufällig erlebt, dass es eine "Autotreff-Jugendkultur" in sehr abgeschwächter Form auch in Berlin gibt: An der Aral-Tankstelle in der Holzmarktstraße hingen an einem Samstagabend ein paar Jungs mit ihren Autos rum. Die Musik, die sie hörten, war allerdings ziemlich grausam. In Berlin gibt es schließlich auch keinerlei Notwendigkeit für eine avancierte Parkplatzkultur. Die DJ- und Clubkultur in Berlin ist lebendig, sei es, dass immer wieder neue Orte im Nachtleben auftauchen oder die besten DJs aus aller Welt eingeladen werden.

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