Was machen wir heute? : Die lila Latzhose anziehen

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Es wird Zeit, dass ich mal wieder meine lila Latzhose mit dem Button „Auf die Dauer Frauenpower“ raushole. Und Charlotte ein kleines Grundsatzreferat über Sinn und Zweck des Feminismus halte. Denn schon lange nicht mehr habe ich mich so über eine Häufung unqualifizierter Aussagen, die in den miefigen fünfziger Jahren nicht anders geklungen hätten, geärgert wie in den letzten Wochen. Da wurden etwa im Bayerischen Rundfunk, als Ursula von der Leyen noch im Rennen für die Köhler-Nachfolge war, Stimmen aus der FDP zitiert: Die Herren zweifelten, ob von der Leyen ausreichend „stark und eloquent“ für das Amt sei. Dass mangelnde Stärke nicht ihr Problem ist, hat sie inzwischen lange bewiesen. Und in Sachen Eloquenz möchte ich nur an die Abschiedsworte unseres neuen Alt-Bundespräsidenten „Diese Kritik entbehrt jeder Rechtfertigung“ erinnern. Alles klar?

Richtig geschämt habe ich mich, als männliche Kollegen bei der Vorstellung der neuen BVG-Chefin fast verständnislos fragten, wie sie denn trotz ihrer Kinder diesen Superposten bewältigen wolle. Gott sei Dank war die Frau schlagfertig. Haben die Herren das schon einmal einen männlichen Vorstand gefragt?

Da können wir seit Jahren eine Bundeskanzlerin haben, solche Vorurteile über das, was Frauen leisten können, sind noch lange nicht ausgerottet.

Also, liebe Charlotte, für dich und deine Freundinnen gibt es noch genügend zu tun. Packt es an!

Und wenn dir mal wieder ein männliches Familienmitglied angesichts deiner vielen kostspieligen Wünsche empfiehlt, dir später einen reichen Mann zu suchen, dann sage ihm: „Wieso reicher Mann? Das schaffe ich selber!“ Eine lila Latzhose brauchst du heutzutage nicht mehr zu tragen. Aber der Button „Auf die Dauer Frauenpower“ sah schon nett aus. Sigrid Kneist

Was starke Frauen leisten können, kann man bei der Ausstellung „Frida Kahlo“ im Gropiusbau sehen (bis 9. August). Als Kontrastprogramm gibt’s anschließend „Sex and the City II“ im Cinemaxx am Potsdamer Platz.

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