Was machen wir heute? : Die Motten kriegen

Wie ein Rentner die Stadt erleben kann

Plümper

Wie liebevoll! rufen sie wie aus einem Munde, Künstlerfreund und Rentner: In der Ecke steht unter einer kleinen Fichte ein Fuchs. Auf einem Tisch ein „Tierbuffet“. Der Rentner hebt eine kleine Klappe mit der Aufschrift „Falken“. Zwei tote Mäuse! Bei den Mauerseglern lernt er, dass sie täglich mehrere zehntausend Insekten fressen, einige davon kann er betrachten.

Der Künstlerfreund öffnet die Tür zu einer Küche. Zuerst nichts Auffälliges, Weckgläser, kleine Schraubgläser. Aber dann sieht man es: Die Nudeln haben einen Befall von Mehlmotten. O Gott, murmelt eine jüngere Frau neben dem Rentner. Eine Kasperlepuppe hat den Brotkäfern geschmeckt; die Wollkrautblütenkäfer haben ein Brillengestell angefressen. Im Flur hängen alte Karten. Sie erinnern an den Schulunterricht, damals als die Freunde noch jung waren: Auf der Erde krabbeln Maikäfer, einer macht sich zum Fliegen bereit, ein anderer hat sich gerade aus dem Erdreich befreit. Hübsch! Die trauliche Tafel mit den Schwalben und den roten Dächern versetzt den Rentner in nostalgische Stimmung. Allerdings fängt die Kopfhaut doch an, ein bisschen zu jucken, als er die Wandtafel von 1918 nach Prof. Dr. Hase mit den enorm vergrößerten Läusen ansieht.

In einem großen Gehege tummeln sich Ratten und Mäuse, lassen sich mal sehen, mal verschwinden sie. Mit einer Taschenlampe kann der Rentnter in dunklen Gängen Maulwürfe entdecken, sieht deren Regenwürmervorräte, leuchtet die Wühlmaus an.

Dann wird es wieder liebenswert: Wildschweine und Frischlinge, Frösche und ein Reiher am Teich. Die Freunde sind zufrieden, wie die Klasse 5d, die einen Eintrag im Gästebuch hinterlassen hat: „Es hat uns sehr gut gefallen besonders das wir die Tiere schtreicheln konnten und wer so alles in der Küche wohnt, wissen wir jetzt auch.“ Plümper

Die Ausstellung „Berliner – nie allein zu Haus! (Un)heimliche Tiere in Haus und Garten“ ist bis 31. Januar im Stadtmuseum in der Schlossstraße 69a in Charlottenburg zu sehen.

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