Was machen wir heute? : Die Welt verbessern

Wie ein Rentnerdie Stadt erleben kann.

Lothar Heinke

Es ist das Alter, in dem man, rücksichtslos gegen sich und andere, flucht und schreit, herumspringt wie Rumpelstilz, kein bißchen weise und gar nicht leise. Rentner möchten die Welt verbessern, manchmal fangen sie bei der eigenen Frau an und hören bei der Staatsgewalt auf.

Vorige Woche fällt plötzlich die Ampel an der Behren-/ Ecke Ebertstraße aus. Für die Autos, die aus der Behrenstraße kommen, ist ewig rot. Geschwind staut sich die Feierabendverkehrsschlange. Nach fünf Minuten merkt der Fahrer ganz vorn, dass da etwas nicht stimmt. Er passt einen günstigen Moment ab und biegt (bei Rot!) rechts ab. Der nächste folgt ihm, und so weiter. Logik, Verstand und Vernunft sind größer als das Stop! vor dem Dauerrot einer kaputten Ampel. Jetzt sind Kreativität und ein wenig Mut gefragt. Es funktioniert.

Bis einer dieser behäbigen Stadtrundfahrtbusse kommt, stehen bleibt, die Weiterfahrt aller anderen blockiert – stur, wie das Gesetz es befahl. Jetzt betritt der Rentner die Szene. Er schreit den Busfahrer an, wie lange er gedenke, den Verkehr zu behindern. Der Busfahrer schreit zurück: „Is doch rot!“ Der Rentner fragt, wieso alle anderen Zivilcourage hätten, nur er nicht? Der Busfahrer knallt die Tür zu. Nun ist der Rentner Neese.

Er bekommt von den Autofahrern Applaus, aber der Busfahrer bleibt stur wie eine Eiche. Rot ist eben rot, und wenns fünf Stunden dauert.

Inzwischen verlassen seine Fahrgäste den Bus, und ich gehe den nächsten Schritt ins Unglück: Hin zu einem der Polizisten, die in größerer Zahl die benachbarte US-Botschaft bewachen. „Sie!“ rufe ich, „sehen sie nicht, was hier abläuft? Wieso greifen sie nicht ein? Da, auf der Kreuzung ist ihr Platz, verkehrsregeln Sie bitte, Sie Freund und Helfer!“ „Meine Arbeit endet an den Pollern, alles, was dahinter passiert, interessiert mich nicht, und wenn Sie weiter so rumschreien, dann gibt es eine Verhaftung“.

Man hört sie schon klimpern, die Handschellen. Erregt, nah am Infarkt verlasse ich die traurige Stätte als Verlierer. Und buchstabiere laut: Ei-gen-ver-ant-wortung. I-ni-tia-tive. Cou-ra-ge. Knall-kopp.

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